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Untersuchungsansatz
Ahrensburg ist eine von sechs Städten, in denen das vom Bundesforschungsministerium
geförderte Forschungsprojekt "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung
im Alltagsverkehr" durchgeführt wurde. Das Untersuchungsgebiet umfasst
mit Ausnahme zweier Wohngebiete in Randlage und eines Gewerbegebietes
die gesamte Stadt Ahrensburg. Das Ziel ist, Wege zu einer vermehrten
Fahrradnutzung und zu einem autoärmeren Verkehr aufzuzeigen. Die Datenerhebung
fand im Mai/Juni 1999 statt. Als erstes erfolgte eine repräsentative
telefonische Befragung von rund 2 000 Erwachsenen, in der darauf folgenden
zweiten Phase wurden 177 Erwachsene ausführlicher befragt. Sie gehörten
einer von drei nach dem häufigsten Verkehrsmittel gebildeten Gruppen
an: entweder der Fahrradgruppe, der Pkw-Gruppe oder der ÖPNV-Gruppe.
Parallel wurden in drei Schulen in Ahrensburg: dem Schulzentrum Am Heimgarten,
der Stormarnschule und der Gesamtschule Ahrensburg insgesamt 254 Schülerinnen
und Schüler aus 7. Klassen schriftlich befragt. Zeitgleich wurden durch
Ortsbefahrungen mit dem Fahrrad Merkmale der Radverkehrsinfrastruktur
erfasst.
Verfügbarkeit der Erwachsenen über Verkehrsmittel
Die repräsentative Befragung ergab, dass 80 % der Erwachsenen in Ahrensburg
über einen Pkw und 88 % über ein Fahrrad verfügen können, nur 6 % der
Erwachsenen können weder auf einen Pkw noch auf ein Fahrrad, 75 % dagegen
auf beide Verkehrsmittel zurückgreifen. Die häufigsten Verkehrsmittel
sind der selbst gefahrene Pkw. Das Fahrrad ist bei jedem vierten befragten
Erwachsenen in Ahrensburg das wichtigste Verkehrsmittel. Für die Männer
ist der Pkw signifikant öfter das häufigste Verkehrsmittel. Bei den
Frauen ist die Alternative das Fahrrad. Mit zunehmendem Alter nimmt
die Bedeutung des Pkw ab und die Bedeutung des Radfahrens zu. Der ÖPNV
spielt in Ahrensburg in allen Altersgruppen nur eine untergeordnete
Rolle.
Wahlfreiheit der Erwachsenen
Nur relativ wenige der befragten Erwachsenen fühlen sich aus körperlichen
oder gesundheitlichen Gründen bei der Verkehrsmittelwahl eingeschränkt,
und nur eine kleine Gruppe fühlt sich überhaupt bei der Verkehrsmittelwahl
unfrei. Hinsichtlich der subjektiven Handlungsspielräume bei der Zeiteinteilung
sehen sich jedoch 48 % der Befragten durch feste Arbeitszeiten bei der
Organisation ihres Tagesablaufes eingeschränkt. 45 % der Befragten sind
der Ansicht, dass ihre Einflussmöglichkeiten auf ihre Zeiteinteilung
nur gering oder gar nicht vorhanden seien. Die über 65-Jährigen sehen
mehr Möglichkeiten, sich ihre Zeit den eigenen Wünschen entsprechend
einzuteilen. Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Verkehrsmittelgruppen.
Die Befragten in der Pkw-Gruppe finden signifikant seltener, dass sie
in ihrer Zeiteinteilung frei sind als diejenigen in der Fahrrad- und
in der ÖPNV-Gruppe.
Mobilitätskennwerte der Erwachsenen
Die Erwachsenen in Ahrensburg legen im Durchschnitt 4,2 Wege an einem
normalen Werktag zurückgelegen, wofür sie im Mittel 88 Minuten benötigen.
Die Männer legen nicht mehr Wege als die Frauen zurück, sie sind jedoch
signifikant länger unterwegs. Auch die Befragten in der ÖPNV-Gruppe
sind länger unterwegs als diejenigen in der Pkw- und in der Fahrradgruppe.
Wegezwecke/Zielorte der Erwachsenen
Die meisten Wege führen zum Arbeitsplatz und zu Einkaufsorten. Etwa
60 % der Pkw-Fahrten im Berufsverkehr haben Hamburg zum Ziel, ca. 20
% verbleiben in Ahrensburg. Ebenfalls viele Pkw-Kurzfahrten kommen durch
Einkaufsfahrten in die Ahrensburger Innenstadt zustande. Öffentliche
Verkehrsmittel nutzen die Ahrensburger vorrangig im Berufsverkehr nach
Hamburg. Die weitaus meisten Fahrradfahrten und Fußwege führen zum Einkaufen
in die Ahrensburger Innenstadt.
Wegeketten der Erwachsenen
Wegeketten spielen bei den Befragten in Ahrensburg nur eine untergeordnete
Rolle. Bei einem Drittel der Ahrensburger ist es üblich, mehr oder weniger
oft, verschiedene Ziele miteinander zu verbinden; für die Frauen sind
Wegeketten signifikant bedeutsamer. Am häufigsten werden Einkaufen und
Arbeiten miteinander verbunden. Für Wegeketten wird meistens der Pkw
genutzt.
Mobilität der Jugendlichen
Fast alle Jugendlichen - Mädchen und Jungen gleichermaßen - können
über ein eigenes Rad verfügen. In keiner Schule lag der individuelle
Radbesitz unter 96 %. Das Fahrrad ist sowohl bei den Mädchen als auch
bei den Jungen zu jeweils über 70 % häufigstes Verkehrsmittel. An einem
normalen Schultag legen die Jugendlichen rund 5,2 Wege in 87 Minuten
zurück. Gemessen an den Mobilitätsraten und am Mobilitätszeitbudget
sind die Jugendlichen ähnlich mobil wie die Erwachsenen.
Motive der Verkehrsmittelwahl bei Erwachsenen
Die Entfernung zum Zielort wird von der Fahrrad- wie von der ÖPNV-Gruppe
als häufigster Grund der Verkehrsmittelwahl genannt. Typisch dagegen
für die Fahrradgruppe ist die Begründung "Wohlbefinden und Fitness".
Die Möglichkeit das Fahrrad direkt am Zielort parken zu können, ist
dieser Gruppe ähnlich wichtig wie das Einsparen von Zeit. Die Pkw-Gruppe
nennt vor allem Zeitersparnis, Bequemlichkeit und Transporterfordernisse
als wichtige Gründe der Pkw-Wahl. Mit zunehmendem Alter wird den Befragten
das Motiv Zeitersparnis bei ihrer Verkehrsmittelwahl unwichtiger. Deutlich
häufiger geben die über 65-Jährigen an, dass sie im Hinblick auf das
genutzte Verkehrsmittel keine Wahlmöglichkeit haben. Die Frauen geben
häufiger die Entfernung, die Männer öfter die Bequemlichkeit als Grund
ihrer Verkehrsmittelwahl an. Darüber hinaus führen die Frauen etwa doppelt
so häufig Wohlbefinden und Fitness sowie Spaß und Vergnügen als Gründe
an.
Einstellungen und Normen der Erwachsenen
Die Einstellungen zum Radfahren sind zwar in den meisten Fällen überaus
positiv, doch die sozialen Normen - und hier insbesondere die Erwartungshaltungen
der Arbeitskolleginnen und -kollegen - üben nicht selten einen hemmenden
Einfluss aus. Unabhängig von ihrer täglich praktizierten Verkehrsmittelnutzung
fährt die Mehrheit der Befragten, die über ein eigenes Rad verfügen
können, gern Rad. Besonders ausgeprägt ist die positive Haltung in der
Fahrradgruppe. 91 % der Befragten dieser Gruppe fährt sehr gern Rad.
Auch die meisten Befragten der Pkw-Gruppe (78 %) und in der ÖPNV-Gruppe
(77 %) nutzen gern das Rad. Fast jede/r fünfte Befragte würde mit der
Fahrradnutzung in der Familie Erstaunen hervorrufen. Deutlich größer
wäre das Erstaunen der Arbeitskolleginnen und -kollegen bei einer Fahrradnutzung
zum Arbeitsplatz. 40 % der befragten Erwerbstätigen sind der Ansicht,
dass die Radnutzung zum Arbeitsplatz Verwunderung hervorrufen würde.
In der Pkw-Gruppe ist sogar fast jeder zweite Befragte (48 %) dieser
Ansicht.
Wahrgenommene Handlungsspielräume der Erwachsenen
Hinsichtlich der subjektiven Handlungsspielräume bei der Zeiteinteilung
sehen sich 48 % der Befragten durch feste Arbeitszeiten bei der Organisation
ihres Tagesablaufes eingeschränkt. 45 % der Befragten sind der Ansicht,
dass ihre Einflussmöglichkeiten auf ihre Zeiteinteilung nur gering oder
gar nicht vorhanden seien. Die über 65-Jährigen sehen mehr Möglichkeiten,
sich ihre Zeit den eigenen Wünschen entsprechend einzuteilen. Unterschiede
zeigen sich auch zwischen den Verkehrsmittelgruppen. Die Befragten in
der Pkw-Gruppe finden signifikant seltener, dass sie in ihrer Zeiteinteilung
frei sind als diejenigen in der Fahrrad- und in der ÖPNV-Gruppe.
Absichten der Erwachsenen
Bei gutem Wetter ist die geschätzte Wahrscheinlichkeit der Fahrradnutzung
sehr hoch, bei schlechtem Wetter stark verringert. Bei schlechtem Wetter
nimmt die angenommene Wahrscheinlichkeit der Radnutzung in allen drei
Verkehrsmittelgruppen - auch in der Fahrradgruppe - drastisch ab, die
Wahrscheinlichkeit der Pkw-Nutzung nimmt in allen drei Gruppen - ganz
besonders in der Pkw-Gruppe - deutlich zu. Die Befragten in der Fahrradgruppe
zeigen sich jedoch schlechtem Wetter gegenüber resistenter und werden
nicht in gleichem Ausmaß vom Radfahren abgehalten.
Motive der Jugendlichen
Der am häufigsten genannte Grund, warum ein bestimmtes Verkehrsmittel
genutzt wird, sind mangelnde alternative Verkehrsmittel. 20 % der Jugendlichen
gaben an, bei der Verkehrsmittelwahl eingeschränkt zu sein; dies gilt
gleichermaßen für die Fahrrad- und die Nicht-Fahrradgruppe. Während
für die Fahrradgruppe jedoch die schnelle Zielerreichung ein zentrales
Motiv ist, verweisen die Jugendlichen in der Nicht-Fahrradgruppe auf
die Entfernungen zum Zielort, die ihre Verkehrsmittelwahl beeinflusst.
Einstellungen und Normen der Jugendlichen
Die weitaus meisten befragten Jugendlichen in Ahrensburg haben eine
positive Einstellung zum Radfahren und betonen insbesondere die Umweltverträglichkeit
sowie die gesundheitsfördernden Aspekte des Radfahrens. Für die meisten
Jugendlichen ist das Radfahren die Fortbewegungsart, die ihrer persönlichen
Norm am ehesten entspricht. Das Zufußgehen und die Nutzung öffentlicher
Verkehrsmittel wird dagegen deutlich seltener als die normale Fortbewegungsart
gesehen.
Zukunftsvorstellungen der Jugendlichen
Von den befragten Jugendlichen sind 49 % autoorientiert und 31 % radorientiert.
Während nur 10 % der befragten Jugendlichen nicht autoorientiert sind,
sind es nahezu 30 %, die nicht radorientiert sind. Bei den befragten
Jugendlichen, die gegenwärtig schon viel Rad fahren, ist die Absicht
dies auch zukünftig zu tun, deutlich stärker ausgeprägt.
Sicherheitseindruck der Erwachsenen
Viele der befragten Erwachsenen sind der Ansicht, dass man die Kinder
- insbesondere die Vorschulkinder - wegen der Unfallgefahr nicht allein
auf die Straßen lassen könne; 65 % der Frauen und 57 % der Männer vertreten
diese Meinung. Kein statistisch bedeutsamer Unterschied ergab sich hierbei
zwischen den drei Verkehrsmittelgruppen. Die Hälfte der Befragten in
der Fahrradgruppe findet, dass es im Stadtgebiet Stellen gibt, an denen
sie sich als Radfahrende unsicher fühlen.
Wahrnehmung der Verkehrsangebote durch Erwachsene
Die Verkehrsangebote werden unterschiedlich bewertet. Dass Ahrensburg
autofreundlich ist, finden die wenigsten. Die Einschätzung der Fahrradfreundlichkeit
fällt nur unbedeutend besser aus. Das ÖPNV-Angebot wird von den meisten
Befragten als am besten eingestuft. Kriterien für die Fahrradfreundlichkeit
sind aus der Sicht der Befragten: das Vorhandensein von Radwegen und
Fahrradstraßen, die Qualität der Radwege und Radwege, die durch Grünanlagen
und abseits großer Hauptstraßen geführt werden. Als subjektiv ungünstig
zum Radfahren werden vergleichsweise oft der Waldemar-Bonsels-Weg und
die B 75 genannt. Häufig zeigte sich, dass die Ursache der mangelnden
Fahrradfreundlichkeit in den qualitativ unzureichenden Radwegen begründet
ist.
Wahrnehmung der Verkehrsangebote durch Jugendliche
Die Jugendlichen beurteilen ihr Wohngebiet mehrheitlich positiv. 68
% der befragten Jugendlichen stufen ihr Wohngebiet als günstig zum Radfahren
ein. 76 % der Jugendlichen meinen, dass es günstig zum Zufußgehen ist.
Der Behauptung "In meinem Wohngebiet macht es Spaß, Fahrrad zu fahren",
stimmte dagegen weniger als die Hälfte der Jugendlichen (45 %) zu. Das
Radfahren macht den Jugendlichen vor allem dort Spaß, wo es grün ist
(38 %), wo die Umwelt zum Radfahren passend gestaltet wurde (18 %) und
wo es flach und eben ist (17 %). Wege, an denen das Radfahren keinen
Spaß macht, zeichnen sich durch starken Verkehr (29 %) und durch ihre
fehlende Geeignetheit (28 %) zum Radfahren aus. Das zentrale Problem
stellen für die Jugendlichen aus Ahrensburg die kaputten Radwege dar;
53 % der Jugendlichen finden den Zustand der Radwege unzureichend.
Verbesserungsvorschläge der Erwachsenen
Der häufigste Vorschlag der befragten Erwachsenen, wie Ahrensburg noch
fahrradfreundlicher werden könnte, lautete, die Radwege zu verbessern,
zu erneuern und instand zu setzen; gefolgt von dem Wunsch nach mehr
Radwegen bzw. dem Ausbau des Radwegenetzes. Im Zusammenhang mit der
Ausbesserung der Radwege wurde vor allem der Waldemar-Bonsels-Weg und
die B 75/Hamburger Straße genannt, der Wunsch nach mehr Radwegen konzentriert
sich z. B. auf das Gebiet "Brauner Hirsch".
Verbesserungsvorschläge der Jugendlichen
Die häufigsten Vorschläge der Jugendlichen (38 %) richten sich auf
die Ausbesserung der Radwege. Ein Fünftel der Jugendlichen wünscht sich
mehr Radwege in Ahrensburg. Mädchen und Jungen unterscheiden sich nur
unerheblich in ihren Wünschen voneinander; das Interesse an einer verbesserten
Fahrradtechnik taucht jedoch nur bei den Jungen auf.
Empfehlungen
Die Empfehlungen für ein fahrradfreundliches Ahrensburg beziehen sich
auf bauliche Maßnahmen (Verkehrsberuhigung der Hamburger Straße, Umgestaltung
der Klaus-Groth-Straße und Ausbesserungen auf Abschnitten der Hamburger
Straße und der Manhagener Allee), auf die Förderung des Bike+Ride-Verkehrs
vor allem im Berufspendelverkehr nach Hamburg, auf die Förderung des
Fahrrades im innerstädtischen Einkaufsverkehr (Einrichtung und Modernisierung
von Fahrrad-Abstellanlagen in Einkaufsbereichen) und auf die Etablierung
einer begleitenden zielgruppenspezifischen Öffentlichkeitsarbeit (Aufklärung
über den erreichten Stand der Verbesserung).
Potenziale
Ein großer Teil der Wege in Ahrensburg geht nicht über Distanzen hinaus,
die gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können; es besteht daher
im Prinzip ein erhebliches Potenzial für die Verlagerung von Pkw- auf
Fahrradfahrten. Die größten Potenziale bestehen im innerstädtischen
Einkaufsverkehr. Hier sollte die Nutzung des Fahrrades vor allem durch
moderne Abstellanlagen erleichtert werden. Um das künftige Potenzial
auszuschöpfen, sollten Radverkehrsinfrastrukturdefizite und Belagsmängel
im Schulumfeld beseitigt werden, die möglicherweise die Radnutzung und
damit auch die Herausbildung einer stabilen Radorientierung verringern
können.
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