home

Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von

311 Personen in Fürstenwalde

 

Untersuchungsansatz

Fürstenwalde ist eine von sechs Städten, in denen das vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungsprojekt "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" durchgeführt wird. Das Ziel ist, Wege zu einer vermehrten Fahrradnutzung und zu einem autoärmeren Verkehr aufzuzeigen. In der Phase der Bestandsaufnahme erfolgte eine repräsentative telefonische Befragung von 2 011 Erwachsenen, in der darauf folgenden zweiten Phase wurden 311 Erwachsene ausführlicher befragt. Sie gehörten einer von drei nach dem häufigsten Verkehrsmittel gebildeten Gruppen an: entweder der Fahrradgruppe, der Pkw-Gruppe oder der ÖPNV-Gruppe. Die Frauen sind überproportional häufig in der Fahrrad- und der ÖPNV-Gruppe, die Männer überproportional häufig in der Pkw-Gruppe vertreten. Parallel wurden in drei Schulen, der Gesamtschule Nord, dem Städtischen Gymnasium und der Gesamtschule Süd, insgesamt 232 Schülerinnen und Schüler aus 8. Klassen schriftlich befragt. Zeitgleich wurden durch Ortsbefahrungen mit dem Fahrrad Merkmale der Radverkehrsinfrastruktur erfasst.

Verfügbarkeit der Erwachsenen über Verkehrsmittel

Die repräsentative Befragung ergab, dass 82 % der Erwachsenen in Fürstenwalde über einen Pkw und 92 % über ein Fahrrad verfügen können. Nur 3 % der Erwachsenen können weder auf einen Pkw noch auf ein Fahrrad, 77 % dagegen auf beide Verkehrsmittel zurückgreifen. Das häufigste Verkehrsmittel der Erwachsenen ist in 47 % der selbstgefahrene Pkw und in 31 % das Fahrrad. Für die Männer ist der Pkw mit Abstand das häufigste Verkehrsmittel, für die Frauen sind Fahrrad und Pkw ähnlich wichtig. Das Fahrrad behält seine Bedeutung als Verkehrsmittel auch bei den über 65-Jährigen. In dieser Altersgruppe wird es sogar zum wichtigsten Verkehrsmittel. Der ÖPNV spielt in Fürstenwalde nur eine vergleichsweise geringe Rolle.

Wahlfreiheit der Erwachsenen

Ein großer Teil der Befragten in der ÖPNV-Gruppe ist wegen fehlender Verkehrsmittelverfügbarkeit auf den ÖPNV angewiesen. Die anderen Verkehrsmittelgruppen sind im Vergleich dazu objektiv wahlfreier.

Mobilitätskennwerte der Erwachsenen

Durchschnittlich werden von den Erwachsenen an einem normalen Werktag 3,0 Wege in durchschnittlich 64 Minuten zurückgelegt. Die Mobilitätsrate ist bei allen Gruppen ähnlich, lediglich bei den über 65-Jährigen ist sie mit durchschnittlich 2,4 Wegen geringer. Sehr unterschiedlich ist im Vergleich dazu jedoch das Mobilitätszeitbudget. Bei der Fahrradgruppe ist die Verkehrsbeteiligungsdauer mit 44 Minuten nur halb so lang wie in der ÖPNV-Gruppe und auch deutlich kürzer als in der Pkw-Gruppe.

Wegezwecke und Zielorte der Erwachsenen

Die häufigsten Ziele sind der Arbeitsplatz - bei den unter 30-Jährigen auch der Ausbildungsort - sowie Einkaufsorte. Parks und Grünanlagen werden nur von den über 65-Jährigen häufiger aufgesucht.


Wegeketten der Erwachsenen

In allen Verkehrsmittelgruppen sind Wegeketten weit verbreitet. In der Fahrradgruppe verbinden 52 % der Befragten mehrere Ziele miteinander, in der Pkw-Gruppe 53 % und in der ÖPNV-Gruppe 60 %. Wegeketten sind zwar bei Frauen häufiger, kommen oft aber auch bei Männern vor.

 

Wegelängen der Erwachsenen

Etwa die Hälfte der Alltagswege der befragten Erwachsenen erstreckt sich nicht weiter als einen Kilometer. Das Fahrrad wird meistens im Bereich von bis zu zwei Kilometer langen Wegen benutzt. Etwa zwei Drittel der Pkw-Fahrten sind bis zu drei Kilometer lang. Die überwiegend kurzen Distanzen rühren daher, dass rund drei Viertel der Ziele im Stadtgebiet liegen. Zielgebiete sind vor allem Fürstenwalde Nord und Mitte. Die häufigsten Zielorte außerhalb sind Berlin und Frankfurt/Oder. Das wichtigste Verkehrsmittel ist im er-sten Fall der ÖV, im zweiten Fall werden Pkw und ÖV etwa gleich häufig genutzt.

Mobilität der Jugendlichen

Fast alle Jugendlichen haben ein eigenes Fahrrad. Es ist mit großem Abstand ihr häufigstes Verkehrsmittel. An einem normalen Schultag legen die Jugendlichen rund fünf Wege in durchschnittlich 76 Minuten zurück. Während sich die durchschnittliche Wegezahl in der Fahrrad- und der Nicht-Fahrradgruppe nicht unterscheidet, ist die durchschnittliche Verkehrsbeteiligungsdauer bei denen, die häufig Rad fahren, mit 64 Minuten pro Tag deutlich geringer als diejenige in der Nicht-Fahrradgruppe mit 91 Minuten. Die Jugendlichen sind, gemessen sowohl an der Mobilitätsrate als auch am Mobilitätszeitbudget, mobiler als die Erwachsenen.

Motive der Verkehrsmittelwahl bei Erwachsenen

Als allgemeine Zieldimensionen der Verkehrsmittelwahl erwiesen sich die Zeiteinsparung, eine unproblematische Umweltbeziehung, Komfort und Bequemlichkeit, sensorische und soziale Anregungen sowie Wohlbefinden und Fitness. Die am häufigsten genannten Gründe der Erwachsenen, warum sie ein bestimmtes Verkehrsmittel nutzen, sind je nach Verkehrsmittelgruppe zum Teil unterschiedlich. In der Fahrradgruppe sind die beiden wichtigsten Gründe das Einsparen von Zeit sowie Wohlbefinden und Fitness. In der Pkw-Gruppe wird am häufigsten der Transport von Sachen angeführt. Der häufigste Grund in der ÖPNV-Gruppe sind die Entfernungen. Der Fahrradgruppe ist körperliche Bewegung deutlich wichtiger als der Pkw-Gruppe.

Einstellungen und Normen der Erwachsenen

Unabhängig vom Alter, Geschlecht und dem häufigsten Verkehrsmittel besteht eine positive Einstellung zum Radfahren. Die Fahrradgruppe fährt zu 98 % gern Rad, die Pkw-Gruppe zu 82 %, die ÖPNV-Gruppe zu 74 %. Auf den berufsbedingten Wegen der Erwachsenen ist das Fahrradfahren weniger selbstverständlich.

Wahrgenommene Handlungsspielräume der Erwachsenen

Die Fahrradgruppe findet seltener als die Pkw- und die ÖPNV-Gruppe, dass ihre Möglichkeiten bei der Verkehrsmittelwahl und die Freiheit bei der individuellen Zeiteinteilung eingeschränkt sind.

Absichten der Erwachsenen

Die Voraussetzungen für eine häufigere Fahrradnutzung werden von allen Verkehrsmittelgruppen ähnlich gesehen. Am erfolgversprechensten wären qualitativ gute Radwege sowie Radwege abseits der Hauptverkehrsstraßen.

Motive der Jugendlichen

Die Verkehrsmittelnutzung der Jugendlichen wird in erheblichem Maße durch den Standort der Schule bestimmt; 16 % weisen darüber hinaus auf fehlende Wahlmöglichkeiten hin. Wichtig ist vielen Ju-gendlichen, dass das Verkehrsmittel schnell ist, aber auch dass dessen Nutzung Spaß macht. Zufußgehen und Radfahren werden im Unterschied zur ÖV-Nutzung mit Spaß und Vergnügen in Verbindung gebracht. Öffentliche Verkehrsmittel werden vor allem wegen weiter Schulwege genutzt.

Einstellungen und Normen der Judendlichen

Die weitaus meisten Jugendlichen haben eine positive Einstellung zum Radfahren, wobei die Fahrradgruppe das Radfahren noch positiver einschätzt. Das Radfahren gilt bei den Jugendlichen als selbstverständliche Fortbewegungsart, dies gilt in verstärktem Maße für die Fahrradgruppe.

Zukunftsvorstellungen der Jugendlichen

Rund die Hälfte der Jugendlichen ist autoorientiert, aber nur ein Viertel radorientiert. Die Jugendlichen, die oft Rad fahren, sind weniger autoorientiert und häufiger radorientiert. Für die Radorientierten sind Gesundheit und Fitness, Spaß und Vergnügen sowie eine umweltschonende Mobilität häufig genannte Motive, die Autoorientierten begründen ihre Haltung mit dem Hinweis auf den künftigen Arbeitsweg, mit dem Spaß, den Auto fahren macht und mit der Verkehrserreichbarkeit bzw. Schnelligkeit, mit der man zum Ziel gelangt.

 

Wahrnehmung der Stadt und des Verkehrsangebots durch Erwachsene

Die jüngeren Erwachsenen finden Fürstenwalde seltener schön und freundlich als die über 65-Jährigen. Frauen fühlen sich bei Dunkelheit deutlich häufiger unsicher als Männer. Als "Angstorte" wurden vor allem Fürstenwalde Nord und die Stadtmitte genannt. Die Verkehrsangebote werden bewertet. Dass Fürstenwalde autofreundlich ist, finden die wenigsten, dies gilt verstärkt für die Pkw-Gruppe; am besten schneidet das ÖPNV-Angebot ab, das Radverkehrsangebot etwas weniger gut. Kriterien für Fahrradfreundlichkeit sind aus der Sicht der Erwachsenen: vorhandene Radwege, gute Qualität der Radwege und die Lage der Radwege inmitten einer schönen Umgebung. Als problematisch zum Radfahren werden am häufigsten die Stadtmitte und die Eisenbahnstraße genannt. Die Meinungen dazu sind jedoch individuell sehr unterschiedlich. Viele Befragte bezeichneten diese Orte auch als günstig zum Radfahren. "Problemorte" zum Radfahren zeichnen sich aus der Sicht der Erwachsenen durch fehlende Radwege, Kopfsteinpflaster und Baustellen aus.

 

Wahrnehmung der Stadt und der Verkehrsangebote durch Jugendliche

Die Stadt wird von den meisten Jugendlichen positiv beurteilt: 77 % sind der Ansicht, dass die Stadt fußgängerfreundlich ist, 60 % der Jugendlichen finden, dass man in Fürstenwalde gut Rad fahren kann, Spaß macht das Radfahren aber nur 45 % der Jugendlichen. Die Fahrradfreundlichkeit würde nach Meinung der Jugendlichen durch Radwege in grüner Umgebung gesteigert werden. Unattraktiv ist für sie das Radfahren an Straßen mit viel Autoverkehr. Relativ einhellig ist das Urteil der Jugendlichen, dass die August-Bebel-Straße ungünstig zum Radfahren ist. "Problemorte" zum Radfahren zeichnen sich aus der Sicht der Jugendlichen durch fehlende Radwege, mangelnde Verkehrssicherheit, kaputte Radwege und starken Autoverkehr aus.

Verbesserungsvorschläge der Erwachsenen

Der mit Abstand häufigste Vorschlag zur Förderung des Radverkehrs ist der Ausbau des Radwegesystems, gefolgt von dem Vorschlag einer Qualitätsverbesserung der vorhandenen Radwege. Ein weiterer Vorschlag vor allem aus der Fahrradgruppe ist die Trennung von Fuß- und Radverkehr.

Verbesserungsvorschläge der Jugendlichen

Den Jugendlichen ist vor allem an einer Qualitätsverbesserung der Radwege, dem Ausbau des Radwegenetzes und der Beseitigung von Hindernissen auf den Radwegen gelegen.

 

Empfehlungen

Die Empfehlungen für ein fahradfreundliches Fürstenwalde beziehen sich auf zwei Handlungsschwerpunkte: Zum einen eine Fahrradroute zwischen Fürstenwalde-Nord, der Stadtmitte und dem südlichen Stadtteil auf Erschließungsstraßen, zum anderen ein Ausbau der Radverkehrsanlagen an den Verkehrsstraßen (neben der August-Bebel-Straße insbesondere an der Langewahler Straße, der südlichen Eisenbahnstraße, der J.-S.-Bach-Straße und der W.-Külz-Straße. Daneben sollte (z. B. mit einer Abstellplatz-Satzung) mittelfristig die Abstellmöglichkeiten an Wohngebäuden und Zielpunkten des Radverkehrs verbessert und ein Angebot technisch gesicherter, gebührenpflichtiger Bike+Ride-Plätze geprüft werden. Begleitend werden eine Öffentlichkeitsarbeit und Projekte in den Schulen empfohlen. Um die vielfältigen Maßnahmen zu bündeln, ist die Einrichtung einer koordinierenden Stelle in Richtung eines/einer Fahrradbeauftragten zu empfehlen.

 

Potenziale

Da ein großer Teil der Wege in Fürstenwalde nicht über Entfernungen hinausgeht, die gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können, besteht ein erhebliches Potenzial für die Verlagerung von Pkw- auf Fahrrad-Fahrten. Dafür spricht auch, dass die alltäglich wichtigen Zielorte überwiegend als nahebei wahrgenommen werden. Das größte Potenzial besteht im Bereich des Berufsverkehrs, da vor allem Arbeitswege mit dem Pkw zurückgelegt werden. Um das künftige Potenzial zu maximieren, sollte insbesondere auch auf die Belange der Jugendlichen in Fürstenwalde, die ihre Wege überwiegend mit dem Fahrrad zurücklegen, eingegangen werden. Die Voraussetzungen für Bike+Ride sind im Hinblick auf die ÖV-Bedienungshäufigkeiten insbesondere nach Berlin und Frankfurt/Oder gegeben. Zur Verbesserung des Bike+Ride-Angebots gehören günstige Bedingungen zum Fahrradparken.

 


 

Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre Stadtbericht Fürstenwalde. Band 8: Ergebnisse zum Projekt: "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" (Bestellnummer 10/01) entnommen. Die Broschüre kann bezogen werden beim:

Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0
Fax: 06151 2904-97

 

 

 

 

Zu den anderen Berichten:          
Erwachsene | Ahrensburg | Bremen   | Hamburg | Kiel | Mainz | Gesamt
Jugendliche | Ahrensburg | Bremen | Fürstenwalde | Hamburg | Kiel | Mainz | Gesamt
home