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Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von

157 Personen in Bremen

 

Untersuchungsansatz

Bremen ist eine von den sechs Städten, in denen das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" durchgeführt wurde. Als Untersuchungsgebiet wurde die Neustadt ausgewählt. Das Ziel ist, Wege zu einer vermehrten Fahrradnutzung und zu einem autoärmeren Verkehr aufzuzeigen. Die Datenerhebung fand im Juni / Juli 1999 statt. Als erstes erfolgte eine repräsentative telefonische Befragung von 2 000 Erwachsenen, in der darauf folgenden zweiten Phase wurden 157 Erwachsene ausführlicher befragt. Sie gehörten einer von drei nach dem häufigsten Verkehrsmittel gebildeten Gruppen an: entweder der Fahrradgruppe, der Pkw-Gruppe oder der ÖPNV-Gruppe. Parallel wurden in drei Schulen in der Neustadt, den Schulzentren an der Gottfried-Menken-Straße, an der Kornstraße sowie am Leibnizplatz, insgesamt 206 Schülerinnen und Schüler aus 7. Klassen schriftlich befragt. Zeitgleich wurden durch Ortsbefahrungen mit dem Fahrrad verschiedene Merkmale der Radverkehrsinfrastruktur erfasst.

Verfügbarkeit der Erwachsenen über Verkehrsmittel

Die repräsentative Befragung ergab, dass 62 % der Erwachsenen in der Neustadt über einen Pkw und 86 % über ein Fahrrad verfügen können, 9 % der Erwachsenen können weder auf einen Pkw noch auf ein Fahrrad, 57 % dagegen auf beide Verkehrsmittel zurückgreifen. Die häufigsten Verkehrsmittel sind der ÖPNV und das Fahrrad, erst an dritter Stelle folgt der selbst gefahrene Pkw. Das Zufußgehen und das Mitfahren im Pkw sind nur vergleichsweise selten die häufigste Fortbewegungsart. Für die Männer ist der Pkw häufigstes Verkehrsmittel, für die Frauen sind es die öffentlichen Verkehrsmittel. In den Altersgruppen der unter 30-Jährigen und der über 65-Jährigen ist der ÖPNV am wichtigsten, während bei den 30- bis 65-Jährigen in der Neustadt das Fahrrad an erster Stelle steht.


Wahlfreiheit der Erwachsenen

Ein großer Teil der Befragten in der ÖPNV-Gruppe hat keine Alternativen zum ÖPNV. Die Fahrradgruppe und insbesondere die Pkw-Gruppe sind im Vergleich dazu objektiv wahlfreier.

 

Mobilitätskennwerte der Erwachsenen

Durchschnittlich werden von den Erwachsenen an einem normalen Werktag 5 Wege in durchschnittlich 1½ Stunden zurückgelegt. Bei den Befragten in der ÖPNV-Gruppe sind signifikant weniger Wege zu verzeichnen als bei den Befragten in der Fahrradgruppe, sie benötigen dennoch dafür mehr Zeit.


Wegezwecke/Zielorte der Erwachsenen

Bei den Personen im Erwerbsalter ist der häufigste Zielort der Arbeitsplatz. An zweiter Stelle folgen bei ihnen - bei den über 65-Jährigen an erster Stelle - Einkaufsstätten auf. Der Berufs- und Einkaufsverkehr sind damit die wichtigsten Handlungsfelder. Bei den unter 30-Jährigen spielen auch Freizeitziele eine große Rolle.

Wegeketten der Erwachsenen

In allen Verkehrsmittelgruppen sind Wegeketten weit verbreitet. In der Fahrradgruppe ist es für 60 % der Befragten üblich, mehr oder weniger oft verschiedene Ziele miteinander zu verbinden, in der Pkw-Gruppe sind es 70 %, in der ÖPNV-Gruppe 48 %. In allen Verkehrsmittelgruppen sind Wegeketten weit verbreitet. In der Fahrradgruppe ist es für 60 % der Befragten üblich, mehr oder weniger oft verschiedene Ziele miteinander zu verbinden, in der Pkw-Gruppe sind es 70 %, in der ÖPNV-Gruppe 48 %. Nicht nur der Pkw, sondern auch das Fahrrad ist somit auch für Wegeketten brauchbar.


Wegelängen der Erwachsenen

Etwa die Hälfte der Alltagswege der befragten Erwachsenen erstreckt sich nicht weiter als einen Kilometer, 85 % aller Wege sind nicht länger als 5 Kilometer, 92 % nicht länger als 6 Kilometer (Luftlinienentfernungen). Die Wege zu Fuß sind überwiegend bis zu einem Kilometer lang. Das Fahrrad wird meistens auf bis zu zwei Kilometer langen Wegen genutzt. 86 % der Pkw-Fahrten sind bis zu sechs Kilometer lang. Die überwiegend kurzen Distanzen rühren daher, dass rund die Hälfte der Ziele im Untersuchungsgebiet liegen. Die häufigsten Zielorte außerhalb, die zumeist mit dem Pkw erreicht werden, sind Stuhr und Syke.

 

Mobilitätskennwerte der Jugendlichen

Fast alle Jugendlichen haben ein eigenes Fahrrad, die Deutschen mit 94 % öfter als die Nicht-Deutschen mit 80 %. Häufigstes Verkehrsmittel der Jugendlichen ist mit großem Abstand das Fahrrad. An einem normalen Schultag legen die Jugendlichen rund 5,2 Wege in 84 Minuten zurück. Gemessen an der Mobilitätsrate und am Mobilitätszeitbudget sind die Jugendlichen ähnlich mobil wie die Erwachsenen.

 


Motive der Verkehrsmittelwahl bei Erwachsenen

In der Fahrradgruppe sind die wichtigsten Gründe die Einsparung von Zeit, Wohlbefinden und Spaß sowie ökologische Motive. Im Unterschied dazu nennt die Pkw-Gruppe vor allem Transporterfordernisse, die zurück zu legenden Entfernungen und Bequemlichkeit als Gründe der Pkw-Nutzung. Mehr als ein Drittel der Befragten in der ÖPNV-Gruppe (37 %) geben an, bei der Verkehrsmittelwahl keine Alternative zu haben.
Den Älteren ist das Einsparen von Zeit seltener, die Bequemlichkeit der Fortbewegung dagegen häufiger wichtig als den Jüngeren. Die Älteren weisen häufiger darauf hin, dass sie im Hinblick auf das genutzte Verkehrsmittel keine Wahlmöglichkeiten haben.

 


Einstellungen und Normen der Erwachsenen

Die Einstellungen zum Radfahren sind zwar in den meisten Fällen positiv, doch die sozialen Normen üben nicht selten einen hemmenden Einfluss aus. Unabhängig von der Altersgruppe und dem Geschlecht besteht eine positive Einstellung zum Radfahren. Die Fahrradgruppe fährt zu 96 % gern Rad, die ÖPNV-Gruppe zu 87 % und die Pkw-Gruppe zu 65 %. Die Mehrheit der Befragten hat beim Radfahren ein gutes Gefühl. Dieses gute Gefühl tritt bei der Pkw- und der ÖPNV-Nutzung seltener auf.
Jede/r fünfte Befragte würde mit der Fahrradnutzung in der Familie Erstaunen hervorrufen. In der Pkw-Gruppe beträgt dieser Anteil 30 %. Mehr als der Hälfte der Befragten der Pkw- und der ÖPNV-Gruppe meinen, dass sich die Arbeitskollegen und -kolleginnen über das Radfahren auf dem Weg zur Arbeit wundern würden.


Wahrgenommene Handlungsspielräume der Erwachsenen

In allen betrachteten Gruppen fühlt sich die überwiegende Mehrheit der Befragten bei der Wahl des Verkehrsmittels subjektiv wahlfrei. Relativ am wenigsten trifft dies für die Älteren sowie die ÖPNV-Gruppe zu.
Hinsichtlich der subjektiven Zeiteinteilung haben die über 65-Jährigen die größten Freiräume bei der Tagesgestaltung.
Die Fahrradgruppe sieht ihren Tagesablauf vergleichsweise weniger durch feste Arbeitszeiten geregelt als die beiden anderen Gruppen. Statt dessen grenzen Freizeittermine die freie Zeitverwendung ein.


Absichten der Erwachsenen

Witterungseinflüsse sind in der Fahrradgruppe weniger durchschlagend. Die Wahrscheinlichkeit der Radnutzung ist zwar bei gutem Wetter insgesamt größer als bei schlechtem Wetter. Die Differenzierung nach Verkehrsmittelgruppen zeigt jedoch, dass die Fahrradgruppe auch bei schlechtem Wetter überwiegend Rad fährt.


Motive der Jugendlichen

Die Verkehrsmittelnutzung der Jugendlichen wird im Wesentlichen durch die Entfernungen zu den Zielorten sowie eine schnelle Zielerreichung bestimmt. Schnelligkeit ist neben dem erlebten Spaß, der Erreichbarkeit von Zielen und der Kostenersparnis die häufigste Begründung für die Fahrradnutzung.



Einstellungen und Normen der Jugendlichen

Die weitaus meisten Jugendlichen in der Neustadt haben eine positive Einstellung zum Radfahren, wobei die Fahrradgruppe das Radfahren noch positiver einschätzt.
Für die meisten der befragten Jugendlichen ist das Radfahren die Fortbewegungsart, die der persönlichen Norm am meisten entspricht. In der Fahrradgruppe ist die Fahrrad-Norm noch ausgeprägter. Für die ausländischen Jugendlichen ist die ÖPNV-Nutzung eher die Norm.


Zukunftsvorstellungen der Jugendlichen

Von den befragten Jugendlichen sind 43 % autoorientiert und 32 % radorientiert. Jugendliche, die oft Rad fahren, sind öfter radorientiert.
Für die Radorientierten sind Spaß und Vergnügen sowie Gesundheit und Fitness, aber auch die Umweltfreundlichkeit des Fahrrads häufig genannte Motive. Die Autoorientierten begründen ihre Haltung mit dem vermuteten Spaß am Autofahren sowie der Schnelligkeit und Bequemlichkeit des Pkw.


Sicherheitseindruck der Erwachsenen

Die Frauen finden seltener, dass der Pkw-Verkehr in der Neustadt eine geringe Geschwindigkeit hat. Sie halten Vorschulkinder im Straßenverkehr häufiger für gefährdet als die Männer.
Weniger als die Hälfte der Befragten der Fahrradgruppe fühlt sich in der Neustadt generell sicher. Als verkehrsunsichere Stellen wurden insbesondere die Pappelstraße, die Gastfeldstraße, der Buntentorsteinweg und die Neuenlander Straße genannt. Begründet wurde dies mit fehlenden oder unzureichenden Radwegen, Straßenbahnschienen und der hohen Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs.


Wahrnehmung der Verkehrsangebote durch Erwachsene

Die Verkehrsangebote werden unterschiedlich bewertet. Dass die Neustadt autofreundlich ist, finden die wenigsten, relativ am besten schneidet das ÖPNV-Angebot ab, die Bewertung des Verkehrsangebots und die Umfeldqualität für Rad fahrende und zu Fuß gehende Personen liegen im Mittelfeld.

Kriterien für Fahrradfreundlichkeit sind aus der Sicht der Erwachsenen: vorhandene und gut ausgebaute Radwege sowie eine möglichst schöne Umgebung.
Als problematisch zum Radfahren werden vergleichsweise oft der Buntentorsteinweg, die Gastfeldstraße, die Pappelstraße und Domsheide genannt.
"Problemorte" bzw. zum Radfahren ungünstige Orte zeichnen sich aus der Sicht der Befragten vor allem durch eine unzureichende Infrastruktur, diverse Behinderungen, Defizite in der Organisation des Verkehrsablaufs und fehlende Sicherheit aus.


Wahrnehmung der Verkehrsangebote durch Jugendliche

Das Wohngebiet wird von den Jugendlichen mehrheitlich positiv beurteilt: 76 % sind der Ansicht, dass der Stadtteil fußgängerfreundlich ist, 55 % der Jugendlichen finden, dass man dort gut Rad fahren kann. Spaß macht das Radfahren aber nur 43 % der Jugendlichen, nur 45 % meinen, dass es in ihrem Wohngebiet viele Radwege gibt.

Die Fahrradfreundlichkeit könnte nach Meinung der Jugendlichen durch Radwege in grüner Umgebung oder auf freien Flächen mit viel Platzangebot gesteigert werden. Besonders fahrradunfreundlich ist aus ihrer Sicht das Radfahren an wenig sicheren Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen.
Die Bremer Innenstadt, die Kornstraße und der Buntentorsteinweg wurden vergleichsweise häufig als ungünstig zum Radfahren eingestuft. Zum Radfahren problematische Orte zeichnen sich aus der Sicht der Jugendlichen durch fehlende oder kaputte Radwege und eine als mangelhaft empfundene Verkehrssicherheit aus.


Verbesserungsvorschläge der Erwachsenen

Von allen Verkehrsmittelgruppen wird die Einrichtung neuer Radwege vorrangig empfohlen, von der Fahrradgruppe werden indessen noch öfter qualitative Verbesserungen an bestehenden Radverkehrsanlagen vorgeschlagen. Daneben sind insbesondere die Radfahrenden öfter an Fahrradabstellanlagen und verkehrsberuhigenden Maßnahmen interessiert.
Für den Buntentorsteinweg und die Pappelstraße werden neben dem Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur vor allem verkehrsberuhigende Maßnahmen für sinnvoll gehalten, während für die Meyer- und die Kornstraße Verbesserungen an bestehenden Radwegen angeregt werden.

Verbesserungsvorschläge der Jugendlichen

Die häufigsten Vorschläge der Jugendlichen richten sich auf den Ausbau des Radwegenetzes und auf eine bessere Qualität der bestehenden Radverkehrswege.


Empfehlungen

Die Empfehlungen für eine fahrradfreundliche Neustadt beziehen sich neben verschiedenen Einzelmaßnahmen auf drei Handlungsschwerpunkte: zum einen auf den Ausbau von Stadtteilverbindungen in der Neustadt als Aufwertung des Radfahrangebots auf kurzen Wegen und in Ergänzung des Netzes gesamtstädtischer Routen und zum anderen auf die Förderung der Radnutzung im Berufsverkehr, die ein gemeinsames Engagement der Stadt Bremen und der ansässigen Unternehmen erfordert.
Daneben sollte das Angebot an Fahrradabstellanlagen an den Zielpunkten des Radverkehrs, aber auch an Wohnungen und im öffentlichen Straßenraum ausgeweitet werden. Eine begleitende zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit ist erforderlich, um über den erreichten Stand und über Verbesserungen zu informieren und um zu einer Nutzung des Fahrrads anstelle des Pkw zu motivieren. Projekte in den Schulen - als dritter Handlungsschwerpunkt - sind wichtig, um bei Jugendlichen die Radorientierung zu stärken und die Autoorientierung zu verringern.


Potenziale

Da ein großer Teil der Wege in der Neustadt nicht über Entfernungen hinausgeht, die gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können, besteht ein erhebliches Potenzial für die Verlagerung von Pkw- auf Fahrradfahrten. Dafür spricht auch, dass die alltäglich wichtigen Zielorte überwiegend als nahebei wahrgenommen werden. Die größten Potenziale bestehen im beruflichen Sektor.

Um das künftige Potenzial auszuschöpfen, sollten Radverkehrsinfrastrukturdefizite im Schulumfeld beseitigt werden, die möglicherweise die Radnutzung und damit auch die Herausbildung einer stabilen Radorientierung verringern können.

Die Voraussetzungen für Bike+Ride sind im Hinblick auf die ÖV-Bedienungshäufigkeiten zu den wichtigsten Zielgebieten gegeben, so dass für den überwiegenden Teil der Pkw-Fahrten zu diesen Orten eine Bike+Ride-Nutzung in Betracht käme. Hier müssten die Bedingungen zum Fahrradparken verbessert werden.

 


Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre Stadtbericht Bremen, Band 11: Ergebnisse zum Projekt: "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" (Bestellnummer 09/01) entnommen. Die Broschüre kann bezogen werden beim:

Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0/30/77
Fax: 06151 2904-97

 

 

 

 

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