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Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von

148 Personen in Hamburg

 

Untersuchungsansatz

Hamburg ist eine von den sechs Städten, in denen das vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungsprojekt "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" durchgeführt wurde. Das Ziel ist, Wege zu einer vermehrten Fahrradnutzung und zu einem autoärmeren Verkehr aufzuzeigen. Als Untersuchungsgebiet wurde Barmbek ausgewählt. Die Datenerhebung fand im Juni/Juli 1999 statt. Als erstes erfolgte eine repräsentative telefonische Befragung von 2 007 Erwachsenen, in der darauf folgenden zweiten Phase wurden 148 Erwachsene ausführlicher befragt. Sie gehörten einer von drei nach dem häufigsten Verkehrsmittel gebildeten Gruppen an: entweder der Fahrradgruppe, der Pkw-Gruppe oder der ÖPNV-Gruppe. Parallel wurden in fünf Schulen, der GHR am Winterhuder Weg, der Gesamtschule Winterhude und den Gymnasien Uhlenhorst-Barmbek, Lerchenfeld und Emil-Krause-Gymnasium, insgesamt 223 Schülerinnen und Schüler aus 7. Klassen schriftlich befragt. Zeitgleich wurden durch Ortsbefahrungen mit dem Fahrrad verschiedene Merkmale der Radverkehrsinfrastruktur erfasst.

Verfügbarkeit der Erwachsenen über Verkehrsmittel

Die repräsentative Befragung ergab, dass 58 % der Erwachsenen in Hamburg-Barmbek über einen Pkw und 71 % über ein Fahrrad verfügen können, immerhin 20 % der Erwachsenen können weder auf einen Pkw noch auf ein Fahrrad, 48 % dagegen auf beide Verkehrsmittel zurückgreifen. Das häufigste Verkehrsmittel ist bei 43 % der Befragten der ÖPNV. An zweiter Stelle steht mit 29 % der selbst gefahrene Pkw. Das Fahrrad und das Zufußgehen spielen mit 12 bzw. 11 % eine geringere Rolle. Für die Männer ist der Pkw häufigstes Verkehrsmittel, für die Frauen sind es die öffentlichen Verkehrsmittel. In der Altersgruppe der 30- bis unter 50-Jährigen dominiert der selbst gefahrene Pkw, während in den übrigen Altersgruppen der ÖPNV an erster Stelle steht.


Wahlfreiheit der Erwachsenen

Ein großer Teil der Befragten in der ÖPNV-Gruppe hat keine Alternative zum ÖPNV. Die Fahrradgruppe und insbesondere die Pkw-Gruppe sind im Vergleich dazu objektiv wahlfreier.

 

Mobilitätskennwerte der Erwachsenen

Durchschnittlich werden von den Erwachsenen an einem normalen Werktag 4,5 Wege in durchschnittlich rund 100 Minuten zurückgelegt. Die Befragten in der ÖPNV-Gruppe legen signifikant weniger Wege zurück als die Befragten in den beiden anderen Verkehrsmittelgruppen, wobei sie jedoch keine Zeit sparen.


Wegezwecke/Zielorte der Erwachsenen

Bei den Personen im Erwerbsalter ist der häufigste Zielort der Arbeitsplatz. An zweiter Stelle folgen bei ihnen - bei den über 65-Jährigen an erster Stelle - Einkaufsstätten. Der Berufs- und der Einkaufsverkehr sind damit die wichtigsten Handlungsfelder. Bei den unter 30-Jährigen spielt der Ausbildungsort die größte Rolle, von den unter 50-Jährigen werden auch häufig Freizeitziele genannt.

Wegeketten der Erwachsenen

In allen Verkehrsmittelgruppen sind Wegeketten weit verbreitet. Zwei Drittel der Befragten in der Pkw- und in der ÖPNV-Gruppe verbinden verschiedene Wege zu Wegeketten, in der Fahrradgruppe sind es mit 61 % Zustimmung geringfügig weniger.


Wegelängen der Erwachsenen

Etwa ein Drittel der Alltagswege der befragten Erwachsenen erstreckt sich nicht weiter als einen Kilometer, 81 % aller Wege sind nicht länger als 5 Kilometer. Die Wege zu Fuß sind überwiegend bis zu einem Kilometer lang. Das Fahrrad wird meistens auf bis zu drei Kilometer langen Wegen genutzt. Etwa 70 % der Pkw-Fahrten sind bis zu fünf Kilometer lang, ein Viertel führt sogar nur über Distanzen unter einem Kilometer. Die überwiegend kurzen Distanzen rühren daher, dass die Fahrten vorrangig innerhalb des Untersuchungsgebietes, in benachbarten Stadtteilen bzw. im Hamburger Stadtgebiet liegen. Ziele außerhalb Hamburgs hatten am Befragungs-Werktag keine Bedeutung.

 

Mobilitätskennwerte der Jugendlichen

Fast alle Jugendlichen haben ein eigenes Fahrrad, die Deutschen mit 96 % öfter als die Nicht-Deutschen mit 86 %. Häufigstes Verkehrsmittel der Jugendlichen ist mit großem Abstand der ÖPNV. An einem normalen Schultag legen die Jugendlichen rund 4,5 Wege in 82 Minuten zurück. Mit im Mittel 5,5 Wegen am mobilsten ist die Fahrradgruppe. Gemessen an der Mobilitätsrate und am Mobilitätszeitbudget sind die Jugendlichen ähnlich mobil wie die Erwachsenen.

 


Motive der Verkehrsmittelwahl bei Erwachsenen

In der Fahrradgruppe sind die wichtigsten Gründe die Einsparung von Zeit und Kosten, Wohlbefinden und Fitness sowie ökologische Gründe. Jeweils etwa ein Drittel der Befragten sowohl in der Fahrrad- als auch in der ÖPNV-Gruppe geben an, bei der Verkehrsmittelwahl keine Alternative zu haben. Im Unterschied dazu nennt die Pkw-Gruppe häufig Transporterfordernisse und die Bequemlichkeit als Gründe der Pkw-Nutzung.
Den Älteren ist das Einsparen von Zeit seltener, die Bequemlichkeit der Fortbewegung dagegen häufiger wichtig als den Jüngeren. Die Älteren weisen häufiger darauf hin, dass sie im Hinblick auf das genutzte Verkehrsmittel keine Wahlmöglichkeiten haben.

 


Einstellungen und Normen der Erwachsenen

Die Einstellungen zum Radfahren sind zwar in den meisten Fällen positiv, doch die sozialen Normen üben nicht selten einen hemmenden Einfluss aus. Unabhängig von der Altersgruppe und dem Geschlecht besteht eine positive Einstellung zum Radfahren. Alle Befragten der Fahrradgruppe fahren sehr gern Fahrrad, die Pkw-Gruppe fährt zu 82 % und die Pkw-Gruppe zu 65 % gern Fahrrad. Die Mehrheit der Befragten hat beim Radfahren ein gutes Gefühl. Dieses gute Gefühl tritt bei der Pkw- und der ÖPNV-Nutzung seltener auf.
Jede/r fünfte Befragte würde mit der Fahrradnutzung in der Familie Erstaunen hervorrufen. In der Pkw-Gruppe beträgt dieser Anteil 29 %. Ein Drittel der Befragten in der ÖPNV-Gruppe und sogar die Hälfte derjenigen aus der Pkw-Gruppe meinen, dass sich die Arbeitskolleginnen und -kollegen über das Radfahren auf dem Weg zur Arbeit wundern würden.


Wahrgenommene Handlungsspielräume der Erwachsenen

In allen betrachteten Gruppen fühlt sich die überwiegende Mehrheit der Befragten bei der Wahl des Verkehrsmittels subjektiv wahlfrei. Die Befragten der Fahrradgruppe fühlen sich geringfügig wahlfreier als diejenigen in den beiden übrigen Verkehrsmittelgruppen. Hinsichtlich der subjektiven Zeiteinteilung haben die über 65-Jährigen größten Freiräume bei der Tagesgestaltung. Die Fahrradgruppe fühlt sich in dieser Hinsicht nicht freier als die anderen Gruppen.


Absichten der Erwachsenen

Witterungseinflüsse sind in der Fahrradgruppe kaum durchschlagend. Die Wahrscheinlichkeit der Radnutzung ist zwar bei gutem Wetter insgesamt größer als bei schlechtem Wetter. Die Differenzierung nach Verkehrsmittelgruppen zeigt jedoch, dass die Fahrradgruppe auch bei schlechtem Wetter überwiegend Rad fährt.


Motive der Jugendlichen

Die Verkehrsmittelnutzung der Jugendlichen wird im Wesentlichen durch die Entfernungen zu den Zielorten sowie eine schnelle Zielerreichung bestimmt. Schnelligkeit ist neben dem erlebten Spaß und der Kostenersparnis die häufigste Begründung für die Radnutzung.



Einstellungen und Normen der Jugendlichen

Die weitaus meisten der in Hamburg-Barmbek zur Schule gehenden Jugendlichen haben eine positive Einstellung zum Radfahren, wobei die Fahrradgruppe das Radfahren noch positiver einschätzt.
Für die meisten der befragten Jugendlichen ist das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Fortbewegungsart, die der persönlichen Norm am meisten entspricht. Diejenigen, deren häufigstes Verkehrsmittel das Fahrrad ist, haben dagegen eine ausgeprägte subjektive "Fahrrad-Norm". Für Jungen und deutsche Jugendliche ist das Radfahren eher üblich als für Mädchen und ausländische Jugendliche.


Zukunftsvorstellungen der Jugendlichen

Von den befragten Jugendlichen sind 45 % autoorientiert und 26 % radorientiert. Jugendliche, die oft Rad fahren, sind öfter radorientiert. Für die Radorientierten sind Spaß und Vergnügen sowie Gesundheit und Fitness, aber auch die Umweltfreundlichkeit des Fahrrads häufig genannte Motive. Die Autoorientierten begründen ihre Haltung mit der Schnelligkeit und Bequemlichkeit des Pkw sowie dem vermuteten Spaß am Autofahren.


Sicherheitseindruck der Erwachsenen

Die meisten Befragten sind der Meinung, dass sich Kinder im Vorschulalter wegen der Unfallgefahr nicht allein auf den Straßen in Hamburg-Barmbek aufhalten können. Mehr als zwei Drittel der Befragten der Fahrradgruppe - Frauen noch häufiger als Männer - erleben an bestimmten Stellen in Hamburg-Barmbek Unsicherheitsgefühle. Genannt wurden insbesondere die Gertigstraße, die beiden Kreuzungsberiche Poelchaukamp/Gellertstraße und Hamburger Straße/Humboldtstraße sowie allgemein die Hauptverkehrsstraßen im Stadtteil. Begründungen sind vor allem Sichtbehinderungen, fehlende Radwege und eine allgemein als gering empfundene Verkehrssicherheit.


Wahrnehmung der Verkehrsangebote durch Erwachsene

Die Verkehrsangebote werden unterschiedlich bewertet. Dass Hamburg-Barmbek autofreundlich ist, finden die wenigsten, relativ am besten schneidet das ÖPNV-Angebot ab, die Bewertung des Verkehrsangebots und die Umfeldqualität für Rad fahrende und zu Fuß gehende Personen liegen im Mittelfeld. Kriterien für Fahrradfreundlichkeit sind aus der Sicht der Erwachsenen vorhandene Radwege und eine Streckenführung, die ein schnelles Vorankommen ermöglicht. Als problematisch zum Radfahren werden vergleichsweise oft die Fuhlsbüttler Straße, die Spaldingstraße und der Wiesendamm genannt. "Problemorte" bzw. zum Radfahren ungünstige Orte zeichnen sich aus der Sicht der Befragten vor allem durch eine unzureichende Infrastruktur, eine als mangelhaft empfundene Verkehrssicherheit, diverse Behinderungen des Verkehrsflusses und eine ungünstige Organisation der Verkehrsabläufe aus.


Wahrnehmung der Verkehrsangebote durch Jugendliche

Das Wohngebiet wird von den Jugendlichen mehrheitlich positiv beurteilt: 85 % sind der Ansicht, dass der Stadtteil fußgängerfreundlich ist, 63 % der Jugendlichen finden, dass man dort gut Rad fahren kann. Spaß macht das Radfahren aber nur 43 % der Jugendlichen, nur 36 % meinen, dass es in ihrem Wohngebiet viele Radwege gibt.
Die Fahrradfreundlichkeit könnte nach Meinung der Jugendlichen durch Radwege in grüner und abwechslungsreicher Umgebung gesteigert werden. Besonders fahrradunfreundlich ist aus ihrer Sicht das Radfahren an wenig sicheren Orten mit hohem Verkehrsaufkommen.
Die Hamburger Innenstadt und das Gebiet um den Hauptbahnhof wurden vergleichsweise häufig als ungünstig zum Radfahren eingestuft. Zum Radfahren problematische Orte zeichnen sich aus der Sicht der Jugendlichen durch fehlende oder kaputte Radwege, Flächenkonflikte mit Fußgängern und eine als mangelhaft empfundene Verkehrssicherheit aus.


Verbesserungsvorschläge der Erwachsenen

Von allen Verkehrsmittelgruppen wird die Einrichtung neuer Radwege vorrangig empfohlen. Daneben sind die Befragten an einer besseren Qualität der Radwege, an Beschränkungen des Pkw-Verkehrs sowie an einem Ausbau der Fahrradabstellanlagen interessiert.
Für die Jarrestraße wird eine Verbesserung der Infrastruktur für sinnvoll gehalten, allgemein auf den Radwegen in Barmbek und speziell am Eilbekkanal sollten die Probleme mit Falschparkern gelöst werden.

Verbesserungsvorschläge der Jugendlichen

Die häufigsten Vorschläge der Jugendlichen richten sich auf qualitative Verbesserungen, vor allem Verbreiterungen an bestehenden Radverkehrswegen, auf die Einrichtung neuer Radwege sowie auf die Beseitigung von Hindernissen.


Empfehlungen

Die Empfehlungen für ein fahrradfreundliches Hamburg-Barmbek beziehen sich neben verschiedenen Einzelmaßnahmen auf folgende Handlungsschwerpunkte: zum einen auf den Ausbau von Stadtteilverbindungen in Barmbek als Aufwertung des Radfahrangebotes auf kurzen Wegen und in Ergänzung zu den gesamtstädtisch orientierten Velorouten und zum anderen auf die Förderung des Bike+Ride-Verkehrs vor allem im Berufsverkehr, die noch durch betriebliche Fahrradförderung mit Nutzungsanreizen für die Beschäftigten ergänzt werden kann. Ein weiterer Handlungsschwerpunkt sind Projekte in den Schulen, die wichtig sind, um bei Jugendlichen die Radorientierung zu stärken und die Autoorientierung zu verringern.
Daneben sollte das Angebot an Fahrradabstellanlagen an den Zielpunkten des Radverkehrs, aber auch an Wohnungen und im öffentlichen Straßenraum ausgeweitet werden. Eine begleitende zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit ist erforderlich, um über den erreichten Stand und über Verbesserungen zu informieren und um zu einer Nutzung des Fahrrads anstelle des Pkw zu motivieren.
Um das künftige Potenzial auszuschöpfen, sollten Radverkehrsinfrastrukturdefizite im Schulumfeld beseitigt werden, die möglicherweise die Radnutzung und damit auch die Herausbildung einer stabilen Radorientierung verringern können.


Potenziale

Da ein großer Teil der Wege in Barmbek nicht über Entfernungen hinausgeht, die gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können, besteht ein erhebliches Potenzial für die Verlagerung von Pkw- auf Fahrradfahrten. Dafür spricht auch, dass die alltäglich wichtigen Zielorte überwiegend als nahebei wahrgenommen werden. Die größten Potenziale bestehen im beruflichen Sektor und im Einkaufsbereich.
Die Voraussetzungen für Bike+Ride sind im Hinblick auf die ÖV-Bedienungshäufigkeiten zu den wichtigsten innerstädtischen Zielgebieten gegeben, so dass für den überwiegenden Teil der Pkw-Fahrten zu diesen Orten eine Bike+Ride-Nutzung in Betracht käme. Hier müssten teilweise die Bedingungen zum Fahrradparken verbessert werden.


Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre Stadtbericht Hamburg, Band 12: Ergebnisse zum Projekt: "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" (Bestellnummer 02/02) entnommen. Die Broschüre kann bezogen werden beim:

Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0/30/77
Fax: 06151 2904-97

 

 

 

 

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