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Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von

253 Personen in Mainz

Untersuchungsansatz

Mainz ist eine von sechs Städten, in denen das vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungsprojekt "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" durchgeführt wird. Als Untersuchungsgebiet wurde Mainz-Neustadt ausgewählt. Das Ziel ist, Wege zu einer vermehrten Fahrradnutzung und zu einem autoärmeren Verkehr aufzuzeigen. Die Datenerhebung fand im August / September 1999 statt. Als erstes erfolgte eine repräsentative telefonische Befragung von 2 459 Erwachsenen, in der darauf folgenden zweiten Phase wurden 253 Personen ausführlicher befragt. Sie gehörten einer von drei nach dem häufigsten Verkehrsmittel gebildeten Gruppen an: entweder der Fahrradgruppe, der Pkw-Gruppe oder der ÖPNV-Gruppe. Die Frauen sind überproportional häufig in der ÖPNV-Gruppe, die Männer überproportional häufig in der Fahrrad- und Pkw-Gruppe vertreten. Parallel wurden in vier Schulen in der Neustadt, dem Rabanus-Maurus-Gymnasium, dem Frauenlobgymnasium, der Hauptschule Schillerschule und der Anne-Frank-Realschule, insgesamt 330 Schülerinnen und Schüler aus 8. Klassen schriftlich befragt. Zeitgleich wurden durch Ortsbefahrungen mit dem Fahrrad Merkmale der Radverkehrsinfrastruktur erfasst.

Verfügbarkeit der Erwachsenen über Verkehrsmittel

Die repräsentative Befragung ergab, dass 63 % der Erwachsenen in der Neustadt über einen Pkw und 71 % über ein Fahrrad verfügen können. 18 % der Erwachsenen können weder auf einen Pkw noch auf ein Fahrrad, 51 % dagegen auf beide Verkehrsmittel zurückgreifen. Das häufigste Verkehrsmittel ist bei 32 % der Befragten der ÖPNV, an zweiter Stelle zu gleichen Teilen mit 24 % der selbstgefahrene Pkw oder das Zufußgehen und nur bei 17 % das Fahrrad. Das Fahrrad spielt in der erwachsenen Wohnbevölkerung in der Neustadt nur eine untergeordnete Rolle. Für die Männer ist der Pkw mit Abstand das häufigste Verkehrsmittel, für die Frauen sind es die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Bedeutung des Fahrrads ist bei den unter 30-Jährigen prozentual am höchsten und nimmt mit dem Älterwerden kontinuierlich ab. Bei den unter 50-Jährigen dominiert der selbstgefahrene Pkw, bei den über 50-Jährigen der ÖPNV.


Wahlfreiheit der Erwachsenen

Ein großer Teil der Befragten in der ÖPNV-Gruppe ist wegen fehlender Verkehrsmittelverfügbarkeit auf den ÖPNV angewiesen. Die Fahrradgruppe ist im Vergleich dazu objektiv wahlfreier.

 

Mobilitätskennwerte der Erwachsenen

Durchschnittlich werden von den Erwachsenen an einem normalen Werktag 4,0 Wege in durchschnittlich 80 Minuten zurückgelegt. Sowohl die Mobilitätsrate als auch die Verkehrsbeteiligungsdauer nehmen mit dem Alter ab. Die ÖPNV-Gruppe ist signifikant kürzer am Verkehr beteiligt als die Fahrradgruppe.


Wegezwecke/Zielorte der Erwachsenen

Bei den Personen im Erwerbsalter ist der häufigste Zielort der Arbeitsplatz, bei den unter 30-Jährigen spielt auch der Ausbildungsort eine wesentliche Rolle. Die älter als 65-Jährigen suchen dagegen vorrangig Einkaufsstätten auf.


Wegeketten der Erwachsenen

In allen Verkehrsmittelgruppen sind Wegeketten weit verbreitet. In der Fahrradgruppe verbinden 50 % der Befragten mehrere Ziele miteinander, in der Pkw-Gruppe 65 % und in der ÖPNV-Gruppe 45 %. Nur in der Pkw-Gruppe gibt es signifikant mehr Frauen als Männer, die verschiedene Wege zu Wegeketten kombinieren.


Wegelängen der Erwachsenen

Etwa die Hälfte der Alltagswege der befragten Erwachsenen erstreckt sich nicht weiter als einen Kilometer, insgesamt 82 % aller Wege sind nicht länger als 5 Kilometer (Luftlinienentfernungen). Die Wege zu Fuß sind überwiegend bis zu einem Kilometer lang. Das Fahrrad wird meistens auf bis zu zwei Kilometer, aber auch auf drei bis vier Kilometer langen Wegen benutzt. 61 % der Pkw-Fahrten sind bis zu fünf Kilometer lang. Die überwiegend kurzen Distanzen rühren daher, dass rund 62 % der Ziele im Stadtgebiet oder in Mainz-Neustadt liegen. Die häufigsten Zielorte außerhalb sind Arbeitsstätten in Hessen sowie benachbarte linksrheinische Orte. Das wichtigste Verkehrsmittel ist im ersten Fall der ÖPNV, im zweiten Fall dominiert der Pkw.

 

Mobilitätsbiographie der Erwachsenen

Rund drei Viertel der Erwachsenen haben ihre Verkehrsmittelnutzung im Laufe der Jahre mindestens einmal gewechselt. In den meisten Fällen wurde auf den Pkw übergewechselt, die über 65-Jährigen nutzen wieder vermehrt den ÖPNV.


Mobilität der Jugendlichen

Fast alle Jugendlichen haben ein eigenes Fahrrad, die Deutschen mit 96 % häufiger als die Nicht-Deutschen mit 86 %. Häufigstes Verkehrsmittel der Jugendlichen ist mit großem Abstand der ÖPNV. An einem normalen Schultag legen die Jugendlichen rund fünf Wege in knapp zwei Stunden zurück. Mit im Mittel sechs Wegen am mobilsten ist die Fahrradgruppe. Die Deutschen suchen signifikant mehr Ziele auf als die Nicht-Deutschen.Die Jugendlichen sind, gemessen sowohl an der Mobilitätsrate als auch am Mobilitätszeitbudget, mobiler als die Erwachsenen.

 


Motive der Verkehrsmittelwahl bei Erwachsenen

Als allgemeine Zieldimensionen der Verkehrsmittelwahl erwiesen sich die Effizienz und Funktionalität der Fortbewegung sowie verschiedene Motive, die nicht in erster Linie auf Transportzwecke ausgerichtet sind.
In der Fahrradgruppe sind die wichtigsten Gründe die Einsparung von Zeit und Kosten sowie Wohlbefinden und Spaß. Im Unterschied dazu wird die Pkw-Gruppe vor allem durch die Bequemlichkeit des Autos, aber auch durch Transporterfordernisse zur Pkw-Nutzung motiviert. Die ÖPNV-Gruppe gibt mehrheitlich an, bei der Verkehrsmittelwahl keine Alternative zu haben.
Den Älteren sind das Einsparen von Zeit und die individuelle Unabhängigkeit seltener, der Umweltschutz, körperliche Bewegung, öffentliche Sicherheit, anregende Wege und das Unter-Menschen-Sein häufiger wichtig als den Jüngeren. Auffallend häufig weisen die Älteren darauf hin, dass sie keine Wahlmöglichkeiten haben.


Einstellungen und Normen der Erwachsenen

Unabhängig vom Alter, Geschlecht und dem häufigsten Verkehrsmittel besteht eine positive Einstellung zum Radfahren. Die Fahrradgruppe fährt zu 95 % gern Rad, die Pkw-Gruppe zu 73 % und die ÖPNV-Gruppe zu 59 %. Die Vorstellung, dass der Pkw das angemessene Verkehrsmittel ist, um zur Arbeit zu fahren, ist weit verbreitet. Dies zeigte sich daran, dass bei der Hälfte der Erwerbstätigen aus der Pkw-Gruppe bei den ArbeitskollegInnen Verwunderung hervorgerufen würde, wenn sie statt mit dem Pkw mit dem Fahrrad zur Arbeit kämen.


Wahrgenommene Handlungsspielräume der Erwachsenen

Die Fahrradgruppe findet seltener als die beiden anderen Verkehrsmittelgruppen, dass ihre Möglichkeiten bei der Verkehrsmittelwahl durch externe Einflüsse eingeschränkt sind, gleichzeitig fühlt sie sich aber in ihrer Zeiteinteilung ähnlich wie die Pkw-Gruppe seltener völlig frei als die Befragten der ÖPNV-Gruppe. Dieses Ergebnis lässt sich darauf zurückführen, dass in der ÖPNV-Gruppe mehr Ältere vertreten sind.


Absichten der Erwachsenen

Die Voraussetzungen für eine häufigere Radnutzung werden von allen Verkehrsmittelgruppen ähnlich gesehen. Nach Aussagen der Befragten ließe sich die individuelle Radnutzung erfolgreich durch Radwege abseits von verkehrsbelasteten Straßen fördern. Die Verknappung der Pkw-Parkplätze scheint für die Pkw-Gruppe ein vergleichsweise starker Push-Faktor zu sein.


Motive der Jugendlichen

Die Verkehrsmittelnutzung der Jugendlichen wird in erheblichem Maße durch den Standort der Schule bestimmt, 9 % weisen auf fehlende Wahlmöglichkeiten hin. Öffentliche Verkehrsmittel werden vor allem wegen weiter Schulwege, aber auch wegen fehlender Alternativen genutzt. Wichtig ist vielen Jugendlichen, dass das Verkehrsmittel schnell und den Entfernungen angepaßt ist, aber auch, dass dessen Nutzung Spaß macht. Zufußgehen und Radfahren werden im Unterschied zur ÖPNV-Nutzung mit Fitness, Spaß und Vergnügen in Verbindung gebracht.



Einstellungen und Normen der Jugendlichen

Die weitaus meisten Jugendlichen haben eine positive Einstellung zum Radfahren, wobei die Fahrradgruppe das Radfahren noch positiver einschätzt.
Für die Fahrradgruppe ist das Radfahren häufiger die Norm als für diejenigen, die das Fahrrad seltener nutzen. Für die ausländischen Jugendlichen entspricht das Zufußgehen am meisten den persönlichen Normvorstellungen.
Für die meisten der in der Neustadt befragten Jugendlichen ist die ÖPNV-Nutzung, die Fortbewegungsart, die den persönlichen Normen am meisten entspricht.


Zukunftsvorstellungen

44 % der Jugendlichen erwiesen sich als autoorientiert, aber nur 23 % als radorientiert. Die Jugendlichen, die oft Rad fahren, sind deutlich häufiger radorientiert als diejenigen, die andere Fortbewegungsarten bevorzugen.
Für die Radorientierten sind Spaß und Vergnügen sowie Gesundheit und Fitness, aber auch Umweltschutz häufig genannte Motive, die Autoorientierten begründen ihre Haltung mit der Schnelligkeit und Bequemlichkeit des Pkw sowie dem Spaß, den Autofahren macht.


Wahrnehmung des Stadtteils und der Verkehrsangebote durch Erwachsene

Die jüngeren Erwachsenen finden die Neustadt seltener schön, seltener freundlich und weniger übersichtlich als die über 65-Jährigen. Frauen fühlen sich in Zeiten der Dunkelheit deutlich häufiger unsicher als Männer. Als "Angstorte" wurden vor allem der Goetheplatz, ferner die Goethestraße, der Hauptbahnhof und der Soemmerringplatz genannt.

Die Verkehrsangebote werden unterschiedlich bewertet. Dass die Neustadt autofreundlich ist, finden die wenigsten, relativ am besten schneidet das ÖPNV-Angebot ab, das Verkehrsangebot und die Umfeldqualität für Rad fahrende und zu Fuß gehende Personen liegen im Mittelfeld. Am schlechtesten über das ÖPNV-Angebot informiert sind die jüngeren Altersgruppen sowie die Pkw-Gruppe.

Kriterien für Fahrradfreundlichkeit sind aus der Sicht der Erwachsenen: vorhandene Radwege und eine gute Qualität der Radwege, Maßnahmen der Verkehrsberuhigung und Einbahnstraßenregelung sowie die Lage der Radwege inmitten einer schönen Umgebung.

Als problematisch zum Radfahren wird am häufigsten die Boppstraße genannt, gefolgt von der Hindenburgstraße und der Kaiserstraße. Die Meinungen dazu sind jedoch individuell sehr unterschiedlich. Einige Befragte bezeichneten die Orte auch als günstig zum Radfahren.
"Problemorte" zum Radfahren zeichnen sich aus der Sicht der Erwachsenen durch mangelnde Verkehrssicherheit, unzureichende Radverkehrsinfrastruktur und diverse Behinderungen aus.


Wahrnehmung des Wohngebiets und der Verkehrsangebote durch Jugendliche

Das Wohngebiet der Jugendlichen wird mehrheitlich positiv beurteilt: 80 % sind der Ansicht, dass der Stadtteil fußgängerfreundlich ist, 73 % der Jugendlichen finden, dass man dort gut Rad fahren kann. Spaß macht das Radfahren aber nur 56 % der Jugendlichen, und lediglich 38 % meinen, dass es in ihrem Wohngebiet viele Radwege gibt.

Die Fahrradfreundlichkeit würde nach Meinung der Jugendlichen durch Radwege in grüner Umgebung gesteigert werden. Abträglich ist aus ihrer Sicht das Radfahren an Straßen mit viel Autoverkehr.

Die Problemorte zum Radfahren zeichnen sich aus der Sicht der Jugendlichen durch fehlende Radwege und Behinderungen sowie eine mangelnde Verkehrssicherheit aus. Einhellig ist das Urteil der Jugendlichen, dass die Kaiserstraße ungünstig zum Radfahren ist


Verbesserungsvorschläge der Erwachsenen

Der mit Abstand häufigste Vorschlag zur Förderung des Radverkehrs ist in allen Verkehrsmittelgruppen der Ausbau des Radwegenetzes. Weitere Vorschläge - vor allem von der Fahrradgruppe - sind Qualitätsverbesserungen an vorhandenen Radwegen, die Einrichtung von Fahrradabstellanlagen, die Beseitigung von Hindernissen (z. B. parkende Autos), Fahrbahnmarkierungen, eine Regulierung des Verkehrs durch verstärkte Verkehrsüberwachung sowie die Vermeidung von Flächenkonflikten.
Die häufigsten Vorschläge zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots sind häufigere Taktzeiten, niedrigere Preise und eine verbesserte Organisation, insbesondere mehr Direktverbindungen.

Verbesserungsvorschläge der Jugendlichen

Den Jugendlichen ist vor allem an einem Ausbau des Radwegenetzes und der Beseitigung von Hindernissen auf den Radwegen gelegen.


Empfehlungen

Die Empfehlungen für ein fahrradfreundliches Mainz beziehen sich neben verschiedenen Einzelmaßnahmen auf zwei Handlungsschwerpunkte: zum einen auf die Förderung der Radnutzung im Berufsverkehr, die ein gemeinsames Engagement der Stadt Mainz und der ansässigen Unternehmen erfordert, und zum anderen auf die Ausweitung des Angebots an Fahrradabstellanlagen.
Die Neustadt liegt vergleichsweise günstig zwischen den Arbeitsplatzkonzentrationen in den Bereichen Hattenbergstraße/Mombach, Innenstadt/Altstadt, Saarstraße/Universität und Uniklinik. Die Radverkehrsinfrastruktur kann durch Routen in Erschließungsstraßen mit geringer Kfz-Belastung aufgewertet werden. Die Routen könnten auf den bestehenden Radwegrouten der Stadt Mainz aufbauen und diese soweit ergänzen, dass sie sich stadtteilübergreifend u. a. an den Arbeitsplatzschwerpunkten orientieren, aber auch die gesamtstädtischen Einzugsbereiche der Schulen berücksichtigen. Daneben sollte die Realisierung von Fahrradabstellplätzen an den Zielpunkten des Radverkehrs (vor allem Einkaufsorte), aber auch an Wohnungen und im öffentlichen Straßenraum besonderes Gewicht haben. Begleitende Maßnahmen sind eine zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit und Projekte in den Schulen.


Potenziale

Da ein großer Teil der Wege in der Neustadt nicht über Entfernungen hinausgeht, die gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können, besteht ein erhebliches Potenzial für die Verlagerung von Pkw- auf Fahrrad-Fahrten. Dafür spricht auch, dass die alltäglich wichtigen Zielorte überwiegend als nahebei wahrgenommen werden. Das größte Potenzial besteht im Bereich des Berufsverkehrs, da vor allem Arbeitswege mit dem Pkw zurückgelegt werden.

Um das künftige Potenzial zu maximieren, d.h. die Radorientierung bei den Jugendlichen zu stärken, sollten insbesondere auch Radverkehrsinfrastrukturdefizite im Schulumfeld beseitigt werden.

Die Voraussetzungen für Bike+Ride sind im Hinblick auf die ÖV- Bedienungshäufigkeiten zu den wichtigsten Zielgebieten gegeben, so dass für den überwiegenden Teil der Pkw-Fahrten zu diesen Orten eine Bike+Ride-Nutzung in Betracht käme. Zur Verbesserung des Bike+Ride-Angebots gehören günstige Bedingungen zum Fahrradparken.


Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre Stadtbericht Mainz, Band 10: Ergebnisse zum Projekt: "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" (Bestellnummer 07/01) entnommen. Die Broschüre kann bezogen werden beim:

Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0
Fax: 06151 2904-97

 

 

 

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