Zusammenfassung der Ergebnisse
der Befragung von 254 Jugendlichen in Ahrensburg
Ziel des Projekts: Das Forschungsvorhaben "Einflussgrößen
und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" dient dazu, Informationen
über die vielfältigen Einflussfaktoren der Verkehrsmittelnutzung
zu gewinnen, um entsprechend gezielt Maßnahmen planen zu können,
die das Radfahren so fördern, dass ein möglichst großer
Teil der Pkw-Fahrten durch Fahrrad-Fahrten und durch Kombinationen von
Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzt wird. Informationen
dieser Art lassen sich nur durch Befragung der am Verkehr teilnehmenden
Personen gewinnen.
Der Untersuchungsansatz: Ausgegangen wurde von
einem theoretischen Modell, in dem die Verhaltensabsichten als abhängig
von Umwelt- und Personenmerkmalen angenommen werden. Unterschieden wurde
dabei zwischen den physischen und den sozialen Umweltbedingungen einerseits
sowie den Einstellungen, subjektiven Normen und dem wahrgenommenem Handlungsspielraum
andererseits.
Die Stichprobe: Die Untersuchung wird in Untersuchungsgebieten
in sechs Städten (Ahrensburg, Bremen, Fürstenwalde, Hamburg,
Kiel, Mainz) durchgeführt, in denen sowohl Erwachsene als auch
Nicht-Erwachsene befragt werden. Das Untersuchungsgebiet Ahrensburg
umfasste im wesentlichen das gesamte Stadtgebiet.
Hier wurden insgesamt 254 Jugendliche in drei Schulen schriftlich befragt.
54 % der Befragten waren Mädchen, 46 % Jungen. Das Durchschnittsalter
der SchülerInnen lag bei 13,4 Jahren.
Die Schulen, an denen die Jugendlichen befragt wurden, liegen alle im
Stadtgebiet von Ahrensburg. Es handelt sich um die Stormarnschule, das
Schulzentrum Am Heimgarten und die Gesamtschule Ahrensburg.
Fahrradbesitz: Insgesamt 97 % der SchülerInnen
besitzen ein eigenes Rad. 96% der Mädchen und 98% der Jungen können
über ein eigenes Rad verfügen. In allen Schulen liegt der
individuelle Radbesitz bei über 96%.
Verkehrsmittelnutzung: Das Rad ist für 72
% der SchülerInnen das häufigste Verkehrsmittel. Allen anderen
Verkehrsmitteln kommt im Vergleich dazu nur eine marginale Bedeutung
zu.
Mobilitätsrate und Mobilitätszeitbudget: Die
Jugendlichen legen pro Tag durchschnittlich 5,2 Wege zurück, die
Mädchen ähnlich viele wie Jungen. Das durchschnittliche Mobilitätszeitbudget
beträgt 87 Minuten. Auch hier unterscheiden sich Mädchen und
Jungen nicht voneinander.
Gründe für die Verkehrsmittelnutzung: Der
Schulweg, der ein bestimmtes Verkehrsmittel nahe legt, bestimmt zu einem
wesentlichen Teil die Verkehrsmittelnutzung. Ein häufiger Grund
für eine bestimmte Verkehrsmittelwahl ist, dass keine adäquaten
Alternativen zur Verfügung stehen. Auch die Schnelligkeit, mit
der Wege zurückgelegt werden können, spielt eine Rolle. Zu
einem erheblichen Teil wird die Verkehrsmittelnutzung von den räumlichen
Strukturen bestimmt. Spezifische Gründe sind die Erreichbarkeit
sowie die räumliche Nähe zu den Zielorten.
Einstellungen zum Radfahren: Das Radfahren wird
mehrheitlich sehr positiv beurteilt. Es wird u. a. als "umweltfreundlich",
"gesund" und "gut" charakterisiert. Die Bewertung
des Radfahrens geschieht im wesentlichen im Hinblick auf die folgenden
Dimensionen: Komfort, Effizienz und Modernität, Ökologie und
Gesundheit und positive Gefühle beim Radfahren.
Das Fahrrad wird von den Mädchen wie von den Jungen mehr als Transportmittel
und weniger als Sportgerät angesehen. Die meisten Jugendlichen
meinen, dass das Fahrrad den Raum gut erschließt und dass es unabhängig
macht.
Subjektive Mobilitätsnormen: Verkehrsmittel,
die die SchülerInnen für sich selbst als üblich und als
das Normale empfinden, sind das Rad und das Mitfahren im Auto. Das Zu-Fuß-Gehen
und die ÖV-Nutzung entsprechen deutlich weniger der subjektiven
Norm. Bei den Jungen entspricht das Mitfahren im Pkw weniger der subjektiven
Norm als bei den Mädchen.
Wahrgenommener Handlungsspielraum: 66 % der SchülerInnen
haben den Eindruck, dass sie ihre Verkehrsmittel frei wählen können,
15 % fühlen sich eingeschränkt. Mädchen und Jungen haben
einen ähnlich großen subjektiven Handlungsspielraum bei der
Wahl ihres Verkehrsmittels.
Vorgestellte zukünftige Verkehrsmittelwahl: Die
Verhaltensabsichten wurden in Bezug auf die vorgestellte künftige
Pkw-Nutzung und die vorgestellte künftige Radnutzung erfasst. Als
Autoorientierung wurde die Vorstellung, im Erwachsenenalter häufig
oder sehr häufig den Pkw zu nutzen, definiert, als Radorientierung
analog die Vorstellung, später häufig oder sehr häufig
das Fahrrad zu nutzen. Insgesamt 49 % der SchülerInnen erwiesen
sich als autoorientiert, 10 %, als nicht-autoorientiert, 31 % stellen
sich als radorientiert dar, 29 % als nicht-radorientiert. Autoorientierung
und Radorientierung korrelierten negativ. Die Mädchen und die Jungen
sind ähnlich oft autoorientiert und radorientiert.
Als häufigste Gründe, im Erwachsenenalter auch weiterhin das
Fahrrad zu nutzen, wurden Gesundheit und Fitness, Spaß und Vergnügen
und die Umweltverträglichkeit des Verkehrsmittels Fahrrad angegeben.
Ein häufiger Grund, der aus der Sicht der Jugendlichen gegen die
Radnutzung im Erwachsenenalter spricht, ist der antizipierte vorhandene
Pkw.
Jungen und Mädchen begründeten ihre vorgestellte künftige
Pkw-Nutzung häufig mit der Schnelligkeit des Verkehrsmittels. Auch
das Ausmaß der zukünftig vorgestellten Radnutzung begründen
Mädchen und Jungen ähnlich. Jungen begründen ihre geringe
Radorientierung häufiger als Mädchen mit der Vorstellung,
dass sie später einen Pkw haben.
Fahrradgeeignetheit des Wohngebiets: Das Wohngebiet
wird im Hinblick auf die Möglichkeiten der nicht-motorisierten
Fortbewegung mehrheitlich positiv beurteilt. 76 % der SchülerInnen
finden, dass es günstig zum zu Fuß gehen ist, 68 % stufen
es als günstig zum Radfahren ein. Bei konkreteren Fragen fallen
die Urteile weniger positiv aus. So sind nur 37 % der SchülerInnen
der Ansicht, dass es im Wohngebiet viele Radwege gibt, und 45 %, dass
es im Wohngebiet Spaß macht, Rad zu fahren.
Kriterien: Das Radfahren macht Spaß in grüner
Umgebung, auf Wegen, die für das Radfahren geeignet sind und dort,
wo schnell gefahren werden kann. Es macht keinen Spaß bei starkem
Autoverkehr und an Orten, die für das Radfahren ungeeignet sind.
Die SchülerInnen beklagen vor allem die kaputten Radwege.
Das schulische Umfeld: Am günstigsten zum
Radfahren ist aus Expertensicht das Umfeld der Stormarnschule, auch
die unmittelbaren Umgebungen der Gesamtschule Ahrensburg und des Schulzentrums
Am Heimgarten werden nicht als ungünstig eingestuft.
Familiäre Umwelt: Nur 3,2 % der Haushalte
sind "autofrei", in 41,4 % gibt es einen, in 55,4 % mehr als
einen Pkw.
Aus der Sicht der Befragten ist das häufigste Verkehrsmittel beider
Eltern der Pkw, bei den Vätern in 72 %, bei den Müttern in
57 % der Fälle. Das Fahrrad spielt als häufigstes Verkehrsmittel
nur bei den Müttern mit 17 % eine größere Rolle.
Die schulische Umwelt: Am höchsten ist mit
82 % der Anteil der Fahrradgruppe in der Stormarnschule, geringer ist
er in den beiden Gesamtschulen mit rund 68 %. Die SchülerInnen
des Stormarn-Gymnasiums empfinden das Radfahren als freundlicher und
vertrauter als die SchülerInnen der beiden Gesamtschulen. Bei allen
Jugendlichen entsprichtdasRadfahren ihrer subjektiven Mobilitäts-Norm.
Die Gleichaltrigen: Die Verkehrsmittelnutzung
der Freundin/des Freunds wird als der eigenen Verkehrsmittelnutzung
ähnlich wahrgenommen.
Einflussfaktoren der Auto- und Radorientierung: In
der Fahrradgruppe ist der Anteil der Radorientierten mit 35 % deutlich
höher als in der Nicht-Fahrradgruppe mit 20 %.Die Radorientierten
und die Nicht-Autoorientierten haben positivere Einstellungen zum Radfahren
als die Nicht-Radorientierten und die Autoorientierten. Je mehr das
Radfahren der subjektiven Mobilitäts-Norm entspricht, um so geringer
ist die ist die Autoorientierung. Die Jugendlichen sind seltener autoorientiert,
wenn der Pkw nicht von beiden Eltern als häufigstes Verkehrsmittel
genutzt wird. Im Hinblick auf die Radorientierung war ein entsprechender
Zusammenhang nicht nachweisbar. Die drei Schulen in Ahrensburg unterscheiden
sich hinsichtlich des Ausmaßes der Auotorientierung nicht voneinander.
Bezogen auf den Schultyp war ein Unterschied zwischen dem Gymnasium
Stormarnschule und den beiden Gesamtschule in der Weise festzustellen,
dass die SchülerInnen des Gymnasiums stärker radorientiert
sind.
Veränderungsvorschläge: Der von den
Jugendlichen am häufigsten genannte Veränderungsvorschlag
zur Verbesserung der Situation für RadfahrerInnen war die Ausbesserung
der Radwege.
Ansatzpunkte: Das gegenwärtig häufigste
Verkehrsmittel der Jugendlichen ist ganz eindeutig das Fahrrad. Bei
der zukünftig vorgestellten Verkehrsmittelwahl tritt jedoch der
selbst gefahrene Pkw in den Vordergrund. Verantwortlich hierfür
scheint u.a. die elterliche Verkehrsmittelwahl zu sein, die sich dann
negativ auf die Autoorientierung der Jugendlichen auswirkt, wenn der
Pkw nicht von beiden Elternteilen als häufigstes Verkehrsmittel
genutzt wird. Wie festgestellt wurde, ist für die Mütter der
befragten Jugendlichen das Fahrrad nicht selten das häufigste Verkehrsmittel.
Hier zeichnet sich durchaus ein Potential für die Verlagerung des
Pkw auf das Fahrrad sowie bike&ride ab.
Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre
Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr.
Band 2: Ergebnisse der Befragung von Schülerinnen und Schülern
in Ahrensburg. Bestellnummer 09/00
entnommen. Die Broschüre ist zu beziehen beim:
Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0
Fax: 06151 2904-97