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Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von 232 Jugendlichen in Fürstenwalde



Ziel des Projekts: Das Forschungsvorhaben "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" dient dazu, Informationen über die vielfältigen Einflussfaktoren der Verkehrsmittelnutzung zu gewinnen, um entsprechend gezielt Maßnahmen planen zu können, die das Radfahren so fördern, dass ein möglichst großer Teil der Pkw-Fahrten durch Fahrrad-Fahrten und durch Kombinationen von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzt wird. Zielvorstellung ist ein autoärmerer Verkehr.

Der Untersuchungsansatz: Ausgegangen wurde von einem theoretischen Modell, in dem die Verhaltensabsichten als abhängig von Umwelt- und Personmerkmalen angenommen werden. Unterschieden wurde zwischen der physischen und sozialen Umwelt einerseits sowie zwischen Einstellungen, subjektiven Normen und wahrgenommenem Handlungsspielraum andererseits. Die Untersuchung wird in Untersuchungsgebieten in sechs Städten unterschiedlicher Größenordnung (Ahrensburg, Bremen, Fürstenwalde, Hamburg, Kiel, Mainz) durchgeführt, in denen sowohl Erwachsene als auch Nicht-Erwachsene befragt werden.

Die Stichprobe: In Fürstenwalde wurden insgesamt 232 Jugendliche aus drei Schulen befragt. 53 % der Befragten waren Mädchen, 47 % Jungen. Der Anteil an ausländischen Schülern und Schülerinnen (beide Eltern Nicht-Deutsche) betrug lediglich 1 %, sodass nicht nach Nationalität differenziert wurde. Das Durchschnittsalter der SchülerInnen lag bei 13,5 Jahren.
Die drei Schulen liegen im nördlichen, im mittleren und im südlichen Teil der Stadt. Es sind die Gesamtschule Nord, das Städtische Gymnasium und die Gesamtschule Süd.

Gruppierung der Daten: Die erhobenen Daten wurden differenziert nach Geschlecht der SchülerInnen ausgewertet, ferner nach dem häufigsten Verkehrsmittel im Alltag. Unterschieden wurde insbesondere zwischen der Fahrrad- und der Nicht-Fahrrad-Gruppe. Zur ersten Gruppe wurden diejenigen gerechnet, deren häufigstes Verkehrsmittel das Fahrrad ist, zur zweiten all diejenigen, deren häufigste Fortbewegungsart das zu Fuß gehen, das Mitfahren im Pkw oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (ÖV) ist.

Fahrradbesitz: Insgesamt 98 % der SchülerInnen haben ein eigenes Fahrrad, die Mädchen und die Jungen ähnlich oft. In der Gesamtschule Süd besitzen alle befragten Jugendlichen ein eigenes Fahrrad.

Verkehrsmittelnutzung: Bei 56 % der Jugendlichen ist das Fahrrad häufigstes Verkehrsmittel, 18 % gehen besonders häufig zu Fuß, 13 % nutzen besonders oft den ÖV. Die Mädchen gehen öfter zu Fuß als die Jungen.

Mobilitätsrate und Mobilitätszeitbudget: Die Jugendlichen legen an einem Werktag durchschnittlich 4,9 Wege zurück, die Mädchen ähnlich viele wie Jungen, in der Fahrradgruppe ähnlich viele wie in der Nicht-Fahrradgruppe. Das durchschnittliche Mobilitätszeitbudget beträgt 76 Minuten. In der Fahrradgruppe liegt es nur 64 Minuten unter demjenigen der Nicht-Fahrradgruppe mit 91 Minuten.

Gründe für die Verkehrsmittelnutzung: Die Verkehrsmittelnutzung hängt zum großen Teil von den räumlichen Strukturen ab, d. h. den Entfernungen zu Zielorten. Weitere Gründe sind persönliche Vorteile wie die Schnelligkeit. Darüber hinaus werden Verkehrsmittel wegen des dabei erlebten Spaßes genutzt.

Einstellungen zum Radfahren: Das Radfahren wird mehrheitlich positiv beurteilt. Es wird u. a. als "umweltfreundlich" und "gesund", "gut" und "aktiv" charakterisiert. Die Jungen beurteilen das Radfahren noch besser als die Mädchen, die Fahrradgruppe empfindet das Radfahren als schneller, interessanter, freundlicher und auch lustiger als die Nicht-Fahrradgruppe. Die Bewertung des Radfahrens hängt wesentlich von den individuellen Einschätzungen in Bezug auf die folgenden Kriterien ab: angenehme und stressfreie Fortbewegung, Gesundheit und Umweltfreundlichkeit, Vertrautheit, Anregung, Effizienz und Modernität. Die meisten Jugendlichen meinen, dass das Fahrrad den Raum gut erschließt, in der Fahrradgruppe ist man noch häufiger dieser Ansicht.

Das Fahrrad wird nicht nur als Transportmittel, sondern zusätzlich auch als Sportgerät angesehen.

Subjektive Normen: Die Fortbewegungsart, die der subjektiven Mobilitätsnorm der Jugendlichen am meisten entspricht, ist das Radfahren, am wenigsten normentsprechend ist die ÖV-Nutzung. In der Fahrradgruppe ist Radfahren noch mehr Norm als in der Nicht-Fahrrad-Gruppe. Die subjektiven Mobilitätsnormen werden wesentlich von der alltäglichen Verkehrsmittelnutzung geprägt.

Wahrgenommener Handlungsspielraum: Zwei Drittel der SchülerInnen haben den Eindruck, dass sie ihre Verkehrsmittel frei wählen können, rund 14 % fühlen sich in dieser Hinsicht eingeschränkt, 21 % zum Teil.

Vorgestellte zukünftige Verkehrsmittelwahl: Die Verhaltensabsichten wurden in Bezug auf die vorgestellte künftige Pkw-Nutzung und die vorgestellte künftige Radnutzung erfasst. Als Autoorientierung wurde die Vorstellung, im Erwachsenenalter häufig oder sehr häufig den Pkw zu nutzen, definiert, als Radorientierung analog die Vorstellung, später häufig oder sehr häufig das Fahrrad zu nutzen. Insgesamt 52 % der SchülerInnen erwiesen sich als autoorientiert, 10 %, als nicht-autoorientiert; 25 % stellen sich als radorientiert dar, 39 % als nicht-radorientiert. Rund 25 % der Jugendlichen sind zugleich auto- und nicht-radorientiert gegenüber nur 5 %, die zugleich rad- und nicht-autoorientiert sind. Autoorientierung und Radorientierung korrelieren negativ.

Fahrradgeeignetheit des Wohngebiets: 77 % der SchülerInnen finden, dass das Wohngebiet günstig zum zu Fuß gehen ist, 60 % stufen es als günstig zum Radfahren ein. Bei konkreteren Fragen fallen die Urteile weniger positiv aus. So sind nur 30 % der Jugendlichen der Ansicht, dass es im Wohngebiet viele Radwege gibt, und 45 %, dass es im Wohngebiet Spaß macht, Rad zu fahren. Die Fahrradgruppe schätzt die Qualität des Wohngebiets zum Radfahren (viele Radwege im Wohngebiet) eher noch kritischer ein.
Als weniger günstig zum Radfahren wurden vor allem insbesondere die August-Bebel-Straße und die Eisenbahnstraße beurteilt.

Kriterien für Fahrradgeeignetheit: Ein wesentliches Kriterium für Fahrradgeeignetheit ist aus der Sicht der SchülerInnen eine grüne Umgebung. Mangelnde Fahrradgeeignetheit kommt u. a. durch zu starken Verkehr zustande.

Das schulische Umfeld: Am günstigsten zum Radfahren ist aus Expertensicht die Umgebung der Gesamtschule Süd, am wenigsten günstig diejenige der Gesamtschule Nord.

Familiäre Umwelt: In 5 % der Haushalte ist kein Pkw vorhanden, in 51 % gibt es einen, in 44 % mehr als einen Pkw. In den Haushalten stehen durchschnittlich 1,5 Pkw und 4,0 Fahrräder zur Verfügung.
Aus der Sicht der Jugendlichen ist das häufigste Verkehrsmittel beider Eltern der Pkw, bei den Vätern in 83 %, bei den Müttern in 56 % der Fälle. Das Fahrrad ist in 14 % häufigstes Verkehrsmittel des Vaters, in 26 % häufigstes Verkehrsmittel der Mutter. Der ÖV hat aus der Sicht der Jugendlichen für beide Eltern keine nennenswerte Bedeutung.

Die schulische Umwelt: Die größte Fahrradgruppe findet sich in der Gesamtschule Süd. In dieser Schule ist das Radfahren stärker als Norm verankert als in den anderen beiden Schulen.

Die Gleichaltrigen: Die Verkehrsmittelnutzung der Freundin/des Freunds wird als der eigenen Verkehrsmittelnutzung ähnlich wahrgenommen. Die Jugendlichen in der Fahrradgruppe meinen häufiger als in der Nicht-Fahrradgruppe, dass ihre Freundin/ihr Freund oft Rad fährt.

Einflussfaktoren der Auto- und Radorientierung: Die Jugendlichen, die oft den ÖV nutzen, sind häufiger autoorientiert als diejenigen, deren häufigstes Verkehrsmittel das Fahrrad ist.
Die Mädchen sind tendenziell seltener autoorientiert, aber gleich häufig radorientiert wie die Jungen.
In der Fahrradgruppe ist der Anteil der Radorientierten mit 29 % mehr als doppelt so hoch wie bei denen, die häufig den ÖV nutzen. Hier liegt der Anteil bei 13 %.
Die häufigsten Gründe für Autoorientierung sind die Bequemlichkeit des Pkw, dessen Schnelligkeit und die vermutete Notwendigkeit des Pkw für den künftigen Arbeitsweg. Die Nicht-Autoorientierten begründeten ihre Haltung mit der Umweltschädlichkeit des Autos, darunter auch der durch das Auto verursachten Luftverschmutzung und dem Kostenaufwand.
Gesundheit und Fitness, Spaß und Vergnügen, aber auch die Umweltfreundlichkeit des Fahrrads sind bei den Jugendlichen häufige Gründe, auch im Erwachsenenalter weiterhin Rad zu fahren.
Die Radorientierten und die Nicht-Autoorientierten haben positivere Einstellungen zum Radfahren als die Nicht-Radorientierten und die Autoorientierten.
Das Radfahren ist für die meisten Jugendlichen Norm. Dies gilt verstärkt für die Radorientierten. Die Nicht-Autoorientierten stufen das Zufußgehen als normentsprechender, das Mitfahren im Auto als weniger ihrer Norm entsprechend ein als die Autoorientierten.
Das Umfeld der Gesamtschule Süd wird von den Experten als fahrradgeeigneter eingeschätzt als insbesondere das Umfeld der Gesamtschule Nord.
Die Jugendlichen sind häufiger radorientiert, wenn sie in einem "autofreien" Haushalt leben und wenn beide Eltern den Pkw nicht häufig nutzen.

Der Anteil an Autoorientierten ist in den drei Schulen sehr ähnlich, der Anteil der Radorientierten jedoch unterschiedlich. Am meisten Radorientierte gibt es in der Gesamtschule Süd.

Veränderungsvorschläge: Die von den Jugendlichen am häufigsten genannten Verbesserungsvorschläge waren, mehr Radwege anzulegen und die vorhandenen Radwege auszubessern.

Ansatzpunkte: Die zwischen den Schulen ermittelten Unterschiede im Hinblick auf das "Fahrradklima" (fahrradgeeignetes Umfeld, hoher Anteil der Fahrradgruppe, größerer Anteil an Radorientierten) lassen den Schluss zu, dass die Schule eine wichtige Institution ist, über die die Radorientierung gefördert und damit zugleich die Autoorientierung geschwächt werden könnte.

Parallel zu schulischen Aktivitäten sollten die Informationen über die Problemorte und die Veränderungsvorschläge der Jugendlichen zur Verbesserung der Situation für Radfahrende als Grundlage für die Entwicklung von Planungsempfehlungen dienen.

 

Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre

Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr. Band 3: Ergebnisse der Befragung von Schülerinnen und Schülern in Fürstenwalde. Bestellnummer 06/00

entnommen. Die Broschüre ist zu beziehen beim:
Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0
Fax: 06151 2904-97

 

           
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