home

Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von 206 Jugendlichen in Bremen



Ziel des Projekts: Das Forschungsvorhaben "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" dient dazu, Informationen über die vielfältigen Einflussfaktoren der Verkehrsmittelnutzung zu gewinnen, um entsprechend gezielt Maßnahmen planen zu können, die das Radfahren so fördern, dass ein möglichst großer Teil der Pkw-Fahrten durch Fahrrad-Fahrten und durch Kombinationen von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzt wird.

Der Untersuchungsansatz: Ausgegangen wurde von einem theoretischen Modell, in dem die Verhaltensabsichten als abhängig von Umwelt- und Personenmerkmalen angenommen werden. Unterschieden wurde dabei zwischen den physischen und den sozialen Umweltbedingungen einerseits sowie den Einstellungen, subjektiven Normen und dem wahrgenommenem Handlungsspielraum andererseits.

Die Stichprobe: Die Untersuchung wird in Untersuchungsgebieten in sechs Städten (Ahrensburg, Bremen, Fürstenwalde, Hamburg, Kiel, Mainz) durchgeführt, in denen sowohl Erwachsene als auch Nicht-Erwachsene befragt werden.
In Bremen wurde als Untersuchungsgebiet Bremen-Neustadt ausgesucht. Dort wurden insgesamt 206 Jugendliche schriftlich befragt. 49 % der Befragten waren Mädchen, 51 % Jungen. Der Anteil an ausländischen Schülern und Schülerinnen (beide Eltern Nicht-Deutsche) betrug 25 %.
Die Schulen, an denen die Jugendlichen befragt wurden, liegen innerhalb des Untersuchungsgebiets Bremen-Neustadt: das Schulzentrum an der Gottfried-Menken-Straße, das Schulzentrum am Leibnizplatz und das Schulzentrum an der Kornstraße.

Gruppierung der Daten: Die erhobenen Daten wurden differenziert nach Geschlecht und Nationalität der SchülerInnen ausgewertet, ferner nach dem häufigsten Verkehrsmittel im Alltag. Unterschieden wurde insbesondere zwischen der Fahrrad- und der Nicht-Fahrradgruppe. Zur ersten Gruppe wurden diejenigen gerechnet, deren häufigstes Verkehrsmittel das Fahrrad ist, zur Zweiten all diejenigen, deren häufigste Fortbewegungsart das Zu-Fuß-Gehen, das Mitfahren im Pkw oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (ÖV) ist.

Fahrradbesitz: Insgesamt 89 % der Jugendlichen haben ein eigenes Fahrrad, die Mädchen und die Jungen gleich oft, die deutschen SchülerInnen häufiger als die ausländischen. Die ausländischen Mädchen haben seltener ein Rad als die ausländischen Jungen. Im Schulzentrum an der Gottfried-Menken-Straße ist der Anteil der SchülerInnen ohne Fahrrad mit 16 % am höchsten.

Verkehrsmittelnutzung: Das Fahrrad ist für 41 % der SchülerInnen das häufigste Verkehrsmittel, 28 % bewegen sich am häufigsten zu Fuß fort, der ÖV ist bei 24 % der Befragten häufigstes Verkehrsmittel. Die Jungen fahren öfter mit dem Rad als die Mädchen. Die ausländischen Jugendlichen nutzen häufiger öffentliche Verkehrsmittel als die deutschen.

Mobilitätsrate und Mobilitätszeitbudget: Die Jugendlichen legen pro Tag durchschnittlich 5,2 Wege zurück. Das durchschnittliche Mobilitätszeitbudget der SchülerInnen beträgt 84 Minuten.

Gründe für die Verkehrsmittelnutzung: Zu einem erheblichen Teil wird die Verkehrsmittelnutzung im Alltag von der Schnelligkeit der Zielerreichung sowie von den räumlichen Strukturen, d. h. der Erreichbarkeit von und der Entfernung zu Zielorten, bestimmt. Fahrradspezifische Gründe sind der erlebte Spaß und Kostenvorteile.

Einstellungen zum Radfahren: Das Radfahren wird mehrheitlich sehr positiv beurteilt. Es wird mit wenigen Ausnahmen als "umweltfreundlich" und "gesund" charakterisiert, weiterhin als "aktiv", "frisch" und "schnell". Die meisten SchülerInnen meinen, dass das Fahrrad den Raum gut erschließt und dass es unabhängig macht. Die Fahrradgruppe stimmt häufiger zu, dass sie mit dem Fahrrad überall gut hinkommt. Die Bewertung des Radfahrens hängt wesentlich von den individuellen Einschätzungen in Bezug auf die folgenden Kriterien ab: grundsätzliche Einstellung zum Radfahren, Bequemlichkeit und Komfort der Fortbewegung, ökologische und gesundheitliche Aspekte, Anregungsgehalt sowie Verlässlichkeit des Radfahrens im Alltag.
Das Fahrrad wird nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Sportgerät angesehen. Dies trifft vor allem bei den ausländischen Jugendlichen zu. Der Fahrradgruppe macht das Radfahren im Wohngebiet deutlich häufiger Spaß als der Nicht-Fahrradgruppe.

Subjektive Mobilitätsnormen: Das Radfahren entspricht am häufigsten der Mobilitätsnorm der SchülerInnen. Deutsche Jungen und Mädchen stimmen darin weitgehend überein. Für die ausländischen SchülerInnen ist die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln normaler.
Das Radfahren ist für die Fahrradgruppe Norm entsprechender als für die Nicht-Fahrradgruppe.

Wahrgenommener Handlungsspielraum: 85 % der SchülerInnen haben den Eindruck, dass sie ihre Verkehrsmittel frei wählen können, 3,5 % fühlen sich eingeschränkt, 11,5 % zum Teil.

Vorgestellte zukünftige Verkehrsmittelwahl: Die Verhaltensabsichten wurden in Bezug auf die vorgestellte künftige Pkw-Nutzung und die vorgestellte künftige Radnutzung erfasst. Als Autoorientierung wurde die Vorstellung, im Erwachsenenalter häufig oder sehr häufig den Pkw zu nutzen, definiert, als Radorientierung analog die Vorstellung, später häufig oder sehr häufig das Fahrrad zu nutzen. Insgesamt 43 % der SchülerInnen erwiesen sich als autoorientiert, 16 % als nicht-autoorientiert, 42 % haben hierzu eine pragmatische Haltung. Weniger ausgeprägt ist die Radorientierung: 32 % stellen sich als radorientiert dar, 29 % als nicht-radorientiert, die übrigen 39 % legen sich nicht fest. Die Jungen erwiesen sich als autoorientierter als die Mädchen, die ausländischen SchülerInnen als autoorientierter als die deutschen. Die Mädchen sind radorientierter als die Jungen, die deutschen häufiger als die ausländischen Jugendlichen. Die häufigsten Gründe für eine vorgestellte häufige Pkw-Nutzung in Zukunft sind empfundener Spaß und Vergnügen, die Schnelligkeit des Autos sowie dessen Bequemlichkeit. Für die Jungen sind die Motive Schnelligkeit und Lustgewinn relevanter als für die Mädchen.
Die häufigsten Gründe, im Erwachsenenalter auch weiterhin häufig das Fahrrad zu nutzen, sind die Förderung von Gesundheit und Fitness und von Spaß und Vergnügen durch Rad fahren. Die Jungen und die ausländischen SchülerInnen geben als Grund für ihre Ablehnung des Radfahrens vor allem an, dass sie, sofern ein Auto zur Verfügung steht, dieses auch nutzen.

Fahrradgeeignetheit des Wohngebiets: Das Wohngebiet wird überwiegend positiv beurteilt, besonders im Hinblick auf das Zufußgehen. 76 % der SchülerInnen finden, dass es günstig zum Zufußgehen ist, 55 % stuften es als günstig zum Radfahren ein, 45 % sind der Ansicht, dass es darin viele Radwege gibt, 43 % stimmten der Aussage zu, dass es im Wohngebiet Spaß macht, Rad zu fahren. Die Fahrradgruppe schätzt die Situation im Wohngebiet insgesamt ähnlich ein.
Die Mädchen schätzen die Fahrradgeeignetheit als weniger günstig ein, die deutschen SchülerInnen sind im Hinblick auf die Qualität ihres Wohngebietes kritischer als die ausländischen SchülerInnen.

Kriterien: Kriterien für die Fahrradgeeignetheit der Umwelt sind aus der Sicht der Jugendlichen eine grüne Umgebung (im besonderen Parks) und freie, große, offene Flächen, die viel Platz bieten. Nicht fahrradgeeignet sind Orte, die wenig sicher und stark befahren sind oder eine fehlende Funktionalität aufweisen, ebenso wird die Stadt allgemein im Vergleich zur Natur als ungünstig zum Radfahren eingeschätzt.

Das schulische Umfeld: Nach Einschätzung der Experten ist die Umgebung des Schulzentrums an der Kornstraße zum Radfahren günstiger als die Umgebungen der Schulzentren an der Gottfried-Menken-Straße und am Leibnizplatz.

Familiäre Umwelt: 17 % der Haushalte sind "autofrei", in 57 % gibt es einen, in 26 % mehr als einen Pkw. Im Mittel stehen sowohl in den deutschen als auch in den ausländischen Haushalten 1,2 Pkw zur Verfügung. In den deutschen Haushalten gibt es durchschnittlich 4,2, in den ausländischen 3,3 Fahrräder.
Aus der Sicht der Befragten ist das häufigste Verkehrsmittel beider Eltern der Pkw, bei den Vätern in 63 %, bei den Müttern in 31 % der Fälle. Das Fahrrad spielt bei beiden Eltern als Verkehrsmittel eine zwar untergeordnetere, aber nicht unbedeutende Rolle, bei den Müttern ist es in 22 %, bei den Vätern in 19 % der Fälle häufigstes Verkehrsmittel.

Die schulische Umwelt: Am höchsten ist der Anteil der Fahrradgruppe im Schulzentrum am Leibnizplatz, am geringsten im Schulzentrum an der Gottfried-Menken-Straße. Ebenso entspricht das Radfahren im Schulzentrum am Leibnizplatz stärker der subjektiven Mobilitätsnorm als in den beiden anderen Schulzentren.

Die Gleichaltrigen: Die Verkehrsmittelnutzung der Freundin/des Freunds wird als der eigenen Verkehrsmittelnutzung ähnlich wahrgenommen. Die Jugendlichen, die von sich sagen, dass sie häufig Rad fahren, haben den Eindruck, dass ihre Freundin/ihr Freund ebenfalls häufig Rad fährt. Dies gilt auch für die anderen Fortbewegungsarten mit Ausnahme des Mitfahrens im Pkw.

Einflussfaktoren der Auto- und Radorientierung: Der Einfluss der gegenwärtigen Verkehrsmittelnutzung zeigte sich in der häufigen Autoorientierung derjenigen, die häufig im Pkw mitfahren, sowie dem größeren Anteil Nicht-Autoorientierter bei denen, die oft zu Fuß gehen und oft Rad fahren.Die häufigsten Gründe für eine vorgestellte häufige Pkw-Nutzung in der Zukunft sind empfundener Spaß und Vergnügen, die Schnelligkeit des Autos sowie dessen Bequemlichkeit. Der Anteil der Radorientierten ist mit 41 % in der Fußgänger-Gruppe und 37 % in der Fahrradgruppe deutlich höher als in den Gruppen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Pkw mitfahren (beide 12,5%). Die häufigsten Gründe, im Erwachsenenalter auch weiterhin häufig das Fahrrad zu nutzen, sind die Förderung von Gesundheit und Fitness und von Spaß und Vergnügen durch Rad fahren. Die Radorientierten und die Nicht-Autoorientierten haben positivere Einstellungen zum Radfahren als die Nicht-Radorientierten und die Autoorientierten. Der Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhaltensabsichten ist bei der Radorientierung ausgeprägter als bei der Autoorientierung. Für die Radorientierten und die Nicht-Autoorientierten ist das Radfahren die ihrer subjektiven Norm am meisten entsprechende Fortbewegungsart. Die wahrgenommene Verkehrsmittelnutzung der Eltern spiegelt sich in der vorgestellten künftigen Verkehrsmittelwahl wider. Die Autoorientierung ist ausgeprägter, wenn der Pkw bei beiden Eltern häufigstes Verkehrsmittel ist. Die nicht-autoorientierten SchülerInnen kommen häufiger aus "autofreien" Haushalten. Am höchsten ist der Anteil der Radorientierten unter den Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums am Leibnizplatz, erheblich geringer ist er in den Schulzentren an der Gottfried-Menken-Straße und an der Kornstraße. Radorientierte nehmen ihre soziale Umwelt als radorientiert bzw. die Freundin/den Freund als Radfahrende wahr; die Nicht-Radorientierten meinen seltener, dass ihre Freundin/ihr Freund häufig Rad fährt.

Veränderungsvorschläge: Das häufigste Problem beim Radfahren sind aus der Sicht der SchülerInnen die fehlenden Radwege. Der am häufigsten genannte Veränderungsvorschlag zu Verbesserung der Situation für RadfahrerInnen lautete folgerichtig, mehr Radwege anzulegen.

Ansatzpunkte: Die Unterschiede im Ausmaß der Autoorientierung und der Radorientierung in den Schulen machen deutlich, dass Auto- und Radorientierung keine konstanten Größen, sondern beeinflussbar sind. Im Schulzentrum an der Kornstraße ist der Anteil an Autoorientierten vergleichsweise hoch und zugleich der Anteil an Radorientierten niedrig. Hier sind pädagogische Maßnahmen gefragt. Des Weiteren sind planerische Maßnahmen erforderlich, die bei den genannten Problemen und Problemorten ansetzen sollten.

 

Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre

Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr. Band 4: Ergebnisse der Befragung von Schülerinnen und Schülern in Bremen. Bestellnummer 11/00

entnommen. Die Broschüre ist zu beziehen beim:
Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0
Fax: 06151 2904-97

 

           
Zu den anderen Berichten:          
Erwachsene | Ahrensburg | Bremen | Fürstenwalde | Hamburg | Kiel | Mainz | Gesamt
Jugendliche | Ahrensburg   | Fürstenwalde | Hamburg | Kiel | Mainz | Gesamt
home