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Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von 330 Jugendlichen in Mainz


Ziel des Projekts: Das Forschungsvorhaben "Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr" dient dazu, Informationen über die vielfältigen Einflussfaktoren der Verkehrsmittelnutzung zu gewinnen, um entsprechend gezielt Maßnahmen planen zu können, die das Radfahren so fördern, dass ein möglichst großer Teil der Pkw-Fahrten durch Fahrrad-Fahrten und durch Kombinationen von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzt wird.

Der Untersuchungsansatz: Ausgegangen wurde von einem theoretischen Modell, in dem die Verhaltensabsichten als abhängig von Umwelt- und Personenmerkmalen angenommen werden. Unterschieden wurde dabei zwischen den physischen und den sozialen Umweltbedingungen einerseits sowie den Einstellungen, subjektiven Normen und dem wahrgenommenem Handlungsspielraum andererseits.

Die Stichprobe: Die Untersuchung wird in Untersuchungsgebieten in sechs Städten (Ahrensburg, Bremen, Fürstenwalde, Hamburg, Kiel, Mainz) durchgeführt, in denen sowohl Erwachsene als auch Nicht-Erwachsene befragt werden.
In Mainz wurde als Untersuchungsgebiet Mainz-Neustadt ausgesucht. Dort wurden insgesamt 330 Jugendliche schriftlich befragt. 56 % der Befragten waren Mädchen, 44 % Jungen. Der Anteil an ausländischen Schülern und Schülerinnen (beide Eltern Nicht-Deutsche) betrug 15 %. Das Durchschnittsalter der SchülerInnen lag bei 13,5 Jahren.
Drei der Schulen, an denen die Jugendlichen befragt wurden, liegen innerhalb des Untersuchungsgebiets Mainz-Neustadt: das Rabanus-Maurus-Gymnasium, das Frauenlobgymnasium und die Hauptschule Schillerschule. Insgesamt wurden an diesen Schulen 237 SchülerInnen aus 8. Klassen befragt. Weitere 89 SchülerInnen wurden an der Anne-Frank-Realschule befragt, die in unmittelbarer Nähe des Gebiets liegt.
Ein Jahr später wurde im Rabanus-Maurus-Gymnasium eine zweite Befragung von 49 Acht-Klässlern durchgeführt.

Gruppierung der Daten: Die erhobenen Daten wurden differenziert nach Geschlecht und Nationalität der SchülerInnen ausgewertet, ferner nach dem häufigsten Verkehrsmittel im Alltag. Unterschieden wurde insbesondere zwischen der Fahrrad- und der Nicht-Fahrradgruppe. Zur ersten Gruppe wurden diejenigen gerechnet, deren häufigstes Verkehrsmittel das Fahrrad ist, zur zweiten all diejenigen, deren häufigste Fortbewegungsart das Zu-Fuß-Gehen, das Mitfahren im Pkw oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (ÖV) ist.


Fahrradbesitz: Insgesamt 95 % der Jugendlichen haben ein eigenes Fahrrad, die Mädchen und die Jungen gleich oft, die deutschen SchülerInnen häufiger als die ausländischen. Die ausländischen Mädchen haben seltener ein Rad als die ausländischen Jungen. In den Gymnasien ist der Anteil der SchülerInnen mit eigenem Fahrrad mit 98 bzw. 99 % höher als in der Hauptschule mit 83 %. Die fast ausnahmslose Verfügbarkeit über ein Fahrrad der SchülerInnen im Rabanus-Maurus-Gymnasium wurde in der zweiten Befragung bestätigt.

Verkehrsmittelnutzung: Der ÖV ist für 56 % der SchülerInnen das häufigste Verkehrsmittel, 16 % bewegen sich am häufigsten zu Fuß fort, das Fahrrad ist nur bei 12 % der Befragten häufigstes Verkehrsmittel. Die Jungen fahren öfter mit dem Rad als die Mädchen. Die ausländischen Jugendlichen gehen häufiger zu Fuß als die deutschen. Auch in der zweiten Befragung erwies sich der ÖV als häufigstes Verkehrsmittel.

Mobilitätsrate und Mobilitätszeitbudget: Die Jugendlichen legen pro Tag durchschnittlich 5,3 Wege zurück, die Mädchen ähnlich viele wie die Jungen. In der Fahrradgruppe werden durchschnittlich 6,0 zurückgelegt. Das durchschnittliche Mobilitätszeitbudget der SchülerInnen beträgt 111 Minuten.

Gründe für die Verkehrsmittelnutzung: Zu einem erheblichen Teil wird die Verkehrsmittelnutzung von den räumlichen Strukturen, d. h. der Entfernung zu Zielorten, bestimmt. Der Schulweg bestimmt zu einem wesentlichen Teil die Verkehrsmittelnutzung im Alltag. Fahrradspezifische Gründe sind der erlebte Spaß und gesundheitliche Aspekte.

Einstellungen zum Radfahren: Das Radfahren wird in beiden Befragungen sehr positiv beurteilt. Es wird mit wenigen Ausnahmen als "umweltfreundlich" und "gesund" charakterisiert, weiterhin als "aktiv", "leise" und "sauber". Die meisten SchülerInnen meinen, dass das Fahrrad den Raum gut erschließt und dass es unabhängig macht. Die Jungen sowie die Fahrradgruppe finden häufiger, dass sie mit dem Fahrrad überall gut hinkommen. Die Bewertung des Radfahrens hängt wesentlich von den individuellen Einschätzungen in Bezug auf die folgenden Kriterien ab: Komfort des Transports, Unbeschwertheit der Fortbewegung, Effizienz des Transports und ökologische sowie gesundheitliche Aspekte.
Das Fahrrad wird nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Sportgerät angesehen. Dies trifft vor allem bei den ausländischen Jugendlichen zu. Der Fahrradgruppe macht das Radfahren im Wohngebiet deutlich häufiger Spaß als der Nicht-Fahrradgruppe.


Subjektive Mobilitätsnormen: Die ÖV-Nutzung entspricht am meisten der Mobilitätsnorm der SchülerInnen. Bei den Jungen entspricht das Radfahren eher der subjektiven Norm als bei den Mädchen. Die deutschen finden die ÖV-Nutzung, die ausländischen Jugendlichen das Zu-Fuß-Gehen Norm entsprechender. Das Radfahren ist für die Fahrradgruppe Norm entsprechender als für die Nicht-Fahrradgruppe.

Wahrgenommener Handlungsspielraum: 68 % der SchülerInnen haben den Eindruck, dass sie ihre Verkehrsmittel frei wählen können, 15 % fühlen sich eingeschränkt, 17 % zum Teil. In der zweiten Befragung wird der Handlungsspielraum als begrenzter eingeschätzt.

Vorgestellte zukünftige Verkehrsmittelwahl: Die Verhaltensabsichten wurden in Bezug auf die vorgestellte künftige Pkw-Nutzung und die vorgestellte künftige Radnutzung erfasst. Als Autoorientierung wurde die Vorstellung, im Erwachsenenalter häufig oder sehr häufig den Pkw zu nutzen, definiert, als Radorientierung analog die Vorstellung, später häufig oder sehr häufig das Fahrrad zu nutzen. Insgesamt 43 % der SchülerInnen erwiesen sich als autoorientiert, 8 % als nicht-autoorientiert, 49 % haben hierzu eine pragmatische Haltung. Weniger ausgeprägt ist die Radorientierung: 23 % stellen sich als radorientiert dar, 39 % als nicht-radorientiert, die übrigen 38 % legen sich nicht fest.
In der zweiten Untersuchung war ein auffallendes Ergebnis, dass sich sehr viel mehr Jugendliche als radorientiert darstellten.
Die Jungen erwiesen sich als autoorientierter als die Mädchen, die ausländischen SchülerInnen als autoorientierter als die deutschen. Die Mädchen und Jungen sind ähnlich häufig radorientiert, die deutschen erheblich häufiger als die ausländischen Jugendlichen.
Die häufigsten Gründe für eine vorgestellte häufige Pkw-Nutzung in Zukunft sind die Schnelligkeit des Autos sowie dessen Bequemlichkeit. Die häufigsten Gründe, im Erwachsenenalter auch weiterhin häufig das Fahrrad zu nutzen, sind die Förderung von Gesundheit und Fitness und von Spaß und Vergnügen durch Rad fahren. Die ausländischen SchülerInnen geben als Grund für ihre Ablehnung des Radfahrens vor allem an, dass sie andere Fortbewegungsarten bevorzugen.

Fahrradgeeignetheit des Wohngebiets: Das Wohngebiet wird im Hinblick auf die Möglichkeiten zum Zufußgehen und Radfahren mehrheitlich positiv beurteilt. 80 % der SchülerInnen finden, dass es günstig zum Zu-Fuß-Gehen ist, 73 % stufen es als günstig zum Radfahren ein, 56 % stimmten der Aussage zu, dass es im Wohngebiet Spaß macht, Rad zu fahren, aber nur 38 % sind der Ansicht, dass es darin viele Radwege gibt. Die Fahrradgruppe schätzt die Situation insgesamt ähnlich ein. Sie ist etwas häufiger der Ansicht, dass das Radfahren im Wohngebiet Spaß macht.


Das schulische Umfeld: Nach Einschätzung von Experten sind die Umgebungen des Frauenlobgymnasiums und der Realschule zum Radfahren günstiger als die Umgebungen der Schillerschule und des Rabanus-Maurus-Gymnasiums.
In der zweiten Befragung ergab sich, dass viele Jugendliche wegen der Gefährlichkeit des Straßenverkehrs nicht mit dem Fahrrad zur Schule kommen, obwohl dies prinzipiell möglich wäre.

Kriterien: Kriterien für die Fahrradgeeignetheit der Umwelt sind aus der Sicht der Jugendlichen eine grüne Umgebung, verkehrssichere Wege und ausreichend Platz zum Radfahren. Mangelnde Fahrradgeeignetheit wird vor allem durch zu starken Verkehr, fehlende Möglichkeiten zum Radfahren, die Topographie und fehlenden Platz bedingt.

Familiäre Umwelt: 6 % der Haushalte sind "autofrei", in 51 % gibt es einen, in 43 % mehr als einen Pkw. In den deutschen Haushalten stehen durchschnittlich 1,6, in den ausländischen Haushalten 1,0 Pkw zur Verfügung. In den deutschen Haushalten gibt es durchschnittlich 4,6, in den ausländischen 3,5 Fahrräder.
Aus der Sicht der Befragten ist das häufigste Verkehrsmittel beider Eltern der Pkw, bei den Vätern in 72 %, bei den Müttern in 51 % der Fälle. Die Dominanz des Pkw bei der Verkehrsmittelwahl der Eltern bestätigte sich in der zweiten Befragung. Das Fahrrad spielt bei beiden Eltern als Verkehrsmittel nur eine untergeordnete Rolle. Bei den Müttern ist es in 11 %, bei den Vätern in 7 % der Fälle häufigstes Verkehrsmittel.

Die schulische Umwelt: Am höchsten ist der Anteil der Fahrradgruppe im Rabanus-Maurus-Gymnasium und in der Anne-Frank-Realschule. In den beiden Gymnasien entspricht das Radfahren stärker der Mobilitätsnorm, in der Hauptschule am wenigsten.

Die Gleichaltrigen: Die Verkehrsmittelnutzung der Freundin/des Freunds wird als der eigenen Verkehrsmittelnutzung ähnlich wahrgenommen. Die Jugendlichen, die von sich sagen, dass sie häufig Rad fahren, haben den Eindruck, dass ihre Freundin/ihr Freund ebenfalls häufig Rad fährt. Dies gilt auch für die anderen Fortbewegungsarten mit Ausnahme des Mitfahrens im Pkw.

Einflussfaktoren der Auto- und Radorientierung: Der Einfluss der gegenwärtigen Verkehrsmittelnutzung zeigte sich in der häufigen Autoorientierung derjenigen, die häufig im Pkw mitfahren, sowie dem größeren Anteil Nicht-Autoorientierter bei denen, die oft zu Fuß gehen und oft Rad fahren.
Die häufigsten Gründe für eine vorgestellte häufige Pkw-Nutzung in Zukunft sind die Bequemlichkeit, die der Pkw bietet, und dessen Schnelligkeit.
In der Fahrradgruppe ist der Anteil der Radorientierten mit 42 % deutlich höher als in der ÖV-Gruppe mit 22 % und in der Fußgänger-Gruppe mit nur 14 %.

Die häufigsten Gründe, im Erwachsenenalter häufig das Fahrrad zu nutzen, sind die Förderung von Gesundheit und Fitness und von Spaß und Vergnügen durch Rad fahren.

Die Radorientierten und die Nicht-Autoorientierten haben positivere Einstellungen zum Radfahren als die Nicht-Radorientierten und die Autoorientierten. Der Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhaltensabsichten ist bei der Radorientierung ausgeprägter als bei der Autoorientierung.

Für die Radorientierten und die Nicht-Autoorientierten ist das Radfahren die ihrer subjektiven Norm am meisten entsprechende Fortbewegungsart.

Die wahrgenommene Verkehrsmittelnutzung der Eltern spiegelt sich in der vorgestellten künftigen Verkehrsmittelwahl wider. Die Autoorientierung ist ausgeprägter, wenn der Pkw bei beiden Eltern häufigstes Verkehrsmittel ist. Die nicht-autoorientierten SchülerInnen kommen häufiger aus "autofreien" Haushalten.

Am höchsten ist der Anteil der Radorientierten unter den Schülerinnen und Schülern des Rabanus-Maurus-Gymnasiums, erheblich geringer ist er in der Anne-Frank-Realschule und in der Schillerschule.

Radorientierte nehmen ihre soziale Umwelt als radorientiert bzw. die Freundin/den Freund als Radfahrende wahr; die Nicht-Radorientierten meinen seltener, dass ihre Freundin/ihr Freund häufig Rad fährt.

Veränderungsvorschläge: Das häufigste Problem beim Radfahren sind aus der Sicht der SchülerInnen die fehlenden Radwege. Der am häufigsten genannte Veränderungsvorschlag zu Verbesserung der Situation für RadfahrerInnen lautete folgerichtig, mehr Radwege anzulegen.

Ansatzpunkte: Die Unterschiede im Ausmaß der Autoorientierung und der Radorientierung in den Schulen machen deutlich, dass Auto- und Radorientierung keine konstanten Größen, sondern beeinflussbar sind. In der Schiller-schule ist der Anteil an Autoorientierten vergleichsweise hoch und zugleich der Anteil an Radorientierten relativ niedrig. Hier sind pädagogische Maßnahmen gefragt. Des weiteren sind planerische Maßnahmen erforderlich, die bei den genannten Problemen und Problemorten sowie einem weniger günstigen Schulumfeld ansetzen sollten. Der Schulweg spielt in den Begründungen der Verkehrsmittelnutzung eine große Rolle. Fahrradfreundlich gestaltete Schulwege können deshalb dazu beitragen, zur Fahrradnutzung zu motivieren und dabei positive Erfahrungen zu machen.

 

Diese Zusammenfassung der Ergebnisse wurde der Broschüre

Einflussgrößen und Motive der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr. Band 5: Ergebnisse der Befragung von Schülerinnen und Schülern in Mainz. Bestellnummer 08/00

entnommen. Die Broschüre ist zu beziehen beim:
Institut Wohnen und Umwelt (IWU)
Annastraße 15
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 2904-0
Fax: 06151 2904-97

           
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